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Sie würden
es wahrscheinlich erst erfahren, wenn sie ihm persönlich gegen über standen.
An einem
Ort, den sie hoffentlich bald finden würden. Einem Ort, der „ANDERSWO“ hieß und
der auf seine sieben die Retter wartete.
War jener
Schläfer im Burghof tatsächlich der gesuchte siebte Mann?
„Wenn wir
weiter hier sinnlos rum quasseln und uns die Beine in den Bauch stemmen, werden
wir es bestimmt nie erfahren!“ versuchte Sara nun die Diskussion zu beenden.
„Sie hat
recht!“ sagte Dennis und Martin schlug vor, einfach in den Burghof zu
schleichen um dann dort die Bank mit dem geheimnisvollen Unbekannten zu
umzingeln.
Mit
reichlich Unbehagen pirschten sie sich jetzt in den Burghof und umstellten die
Holzbank.
Der
Schläfer darauf hatte sich in der Zwischenzeit die Decke völlig über den Kopf
gezogen, so das man jetzt aus der Nähe betrachtet immer noch nicht erkennen
konnte, wer, oder möglicherweise, was dort vor sich hin schnarchte.
Deutlich
drangen die schnarchenden Atemzüge unter der Decke hervor, deren richtige Farbe
durch das Neonfarbige Grün Licht ihrer Umgebung nur zu raten war.
Martin,
der hinter der Banklehne stand, griff nun langsam zu der Wolldecke hinunter. Er
hatte vor sie mit einem Ruck von dem Unbekannten herunter zu reißen doch dazu
kam er nicht mehr.
Als er nur
noch 10 cm mit seiner Hand von dem Deckensaum entfernt war, hörte das
schnarchen abrupt auf. Alle hielten gespannt den Atem an als jetzt Bewegung in
den unbekannten kam.
Dann
erklang eine Stimme unter der Wolldecke hervor, die schaurig verstellt nach
Martin rief:
„Martin,
Martin... du störst meine Ruhe!“
Gleichzeitig
wurde die Decke zurück geworfen und ein Junge erhob sich mit den ruckartigen
Bewegungen eines Roboters in die Höhe. Mit zackigen schritten und weit von sich
gestreckten Armen ging er dann um die Bank herum, geradewegs auf Martin zu.
Dabei rief er mit einer Unheimlichen Stimme: „MARTIN, du unwürdiger! Warum
störst du nur meinen Seelenfrieden!“
Alle waren
entsetzt ein paar Schritte zurück gewichen und Till wäre bei dieser Aktion
beinahe rückwärts in die grün glimmende Glut der Feuerstelle gefallen. Alles
ging sehr schnell und niemand hatte mit so einem Gespenstischen Auftritt
gerechnet. Am wenigsten aber Martin selbst, der jetzt endlich realisierte wer
da auf ihm zu gestakst kam.
Ungläubig
schrie er den Jungen an.
„Niels?
Bist du bescheuert?“
Dabei ging
Martin weiter rückwärts und stieß mit Dennis zusammen, der jetzt verdutzt
fragte: „Das ist dein Freund Niels? Der Nils, der dir diese Schauergeschichte
von diesem Christian erzählt hat?“
„Ja ist
er, aber ich weiß nicht ob der da der normale Niels ist!“ bestätigte ihn
Martin, der seine Augen nicht von Niels genommen hatte.
Dieser
bewegte sich unaufhaltsam weiter auf die beiden zu und fing jetzt an, irre vor
sich hin zu lachen.
Dirk, der
jetzt zu ihnen herüber eilte rief: „Das ist tatsächlich Niels. Mensch Dennis
erkennst du ihn nicht?“
„Jetzt wo
du es sagst, na ja. Aber der dort ist völlig neben der Spur!“ Dabei deutete er
auf Niels, der immer noch schrill vor sich hin kicherte aber wenigstens
angehalten hatte.
„Der hat
das „Kesse Syndrom“, versteht ihr?“ rief Dirk jetzt etwas lauter, damit alle
ihn verstehen konnten. Außer Till und Sara versanden alle sofort was er damit
sagen wollte.
Ganz
offensichtlich hatte Niels in den letzten Stunden einiges erlebt, was ihn in
diesen Zustand versetzt hatte. Möglicherweise hielt er sich für einen Teil
eines schlimmen Albtraumes, so wie es Martin selbst noch vor kurzen erst Erlebt
hatte. Er hatte sich seine Erlebnisse in Tante Bertas Keller nicht erklären
können und so hatte er sich mit der Vorstellung getröstet, das er alles nur
träumte.
Mit „Kesse
Syndrom“ meinte Dirk ganz klar, das
Niels, so wie Kesse vor zwei Tagen in Martins Haus einfach nur Hysterisch war.
Sie
mussten Nils so schnell wie möglich aus seinem Tranceartigen Zustand holen,
bevor er für immer seinen Verstand verlor.
Aber wie
sollten sie das anstellen? Nils war ganz eindeutig schlimmer dran, als Martin
und Kesse zusammen. Eine Ohrfeige oder ein Kneifen würde hier sicher nicht mehr
ausreichen, geschweige denn ein kaltes Getränk mit Eiswürfeln, was sie ohnehin
nicht hier hatten.
Niels war
inzwischen über die Banklehne herüber geklettert und hatte sich die Decke vom
Boden aufgehoben und sie dann über seinem Kopf gehüllt. Jetzt hatte er eine
gewisse Ähnlichkeit mit Jemand, der sie alle in der vergangenen Nacht auf der
Turmspitze erheblich beschäftigt hatte.
Wie zur
Bestätigung erklang nun aus Niels Kehle eine Grausige Stimme, die verblüffend
der von Theo glich, als der Steinige Ritter in Gestalt eines Kuttenmönches
durch Theos Mund gesprochen hatte.
„Ihr
jämmerlichen Würmer! Niemals werdet ihr „ANDERSWO“ retten können. Ich werde
dort auf euch warten und euch erst in Stein verwandeln, dann zu feinen Staub
zerbröseln und zum Schluss noch ins Universum pusten, wo ihr in ewiger Kälte
als Steinstaub eure Bahnen um „ANDERSWO“ herum ziehen werdet!“
Böse
kichernd setzte sich Nils nun auf die Bank und murmelte jetzt kaum noch
verständliche Worte vor sich hin.
Ungläubig
hatten sie Nils Worten gelauscht.
Hatte
dieser nicht gerade indirekt behauptet, das „ANDERSWO“
ein Planet war? Ein Planet, der irgendwo im Universum seine Bahnen zog?
Doch es
war jetzt nicht die Zeit darüber zu diskutieren. Erst mussten sie Niels in die
Wirklichkeit zurück holen, wobei niemand von einer Wirklichkeit sprechen
konnte, angesichts dieser befremdlichen Welt, in der sie sich gerade alle
aufhielten.
„Wir
versuchen es mit dem „Sehenden Auge“, ich hänge ihm einfach mal die Kette um
seinen Hals!“ entschied Martin jetzt und ging beherzt auf seinem Freund zu der
unter der Decke weiter unzusammenhängendes vor sich hin brabbelte.
Alle
folgten Martin und Till löste nun den Ring von seiner Kette und sagte: „Den
hier werde ich ihn auf seine Hand stecken. Möglich das er bei Nils genauso
beruhigend wirkt, wie bei mir wenn ich ihn trage!“
Martin und
Till setzten sich jetzt links und rechts neben den immer noch in die Decke
gehüllten Niels. Kesse und Sara stellten sich hinter Nils in Position.
„OK, wir
ziehen ihm jetzt die Decke runter. Wenn er versucht aufzustehen, drückt ihn
einfach an seinen Schultern runter!“ sagte Dennis, der mit Dirk zusammen vor
Niels in Stellung gegangen war. Der Junge war jetzt buchstäblich umzingelt und
würde nicht entfliehen können, falls er die Absicht dazu haben sollte.
Doch es
sah nicht danach aus.
„Jetzt!“
schrie Martin laut.
Rasch war
die Decke entfernt und ebenso flink hatte Martin die Kette um den Hals seines
Freundes gehängt. Gleichzeitig steckte Till seinen Ring auf den ersten besten
Finger von Niels Linker Hand, den er erwischen konnte.
Gespannt
warteten sie auf eine Reaktion von Niels, der wie eine Marionette schlaff und
leblos auf der Bank zwischen ihnen saß.
Als erstes
verstummten seine wirren gestammelten Worte, in denen Niels wiederholt von
Rumpelstilzchen gesprochen hatte, was für niemanden einen rechten Sinn ergab.
Weiter
geschah zunächst nichts. Mit geschlossenen Augen saß er einfach nur regungslos
da.
„Mag dein
Freund hier eigentlich Märchen?“ fragte Sara Martin, die sich jetzt neben ihn
auf die Bank gesetzt hatte.
„Meinst
du, weil er grade was von Rumpelstilzchen gefaselt hat?“ Martin schüttelte
ratlos seinen Kopf. Dann sagte er: „Also, eigentlich mag er mehr Zelda,
Spiderman und solche Sachen. Aber mit Märchen hat Niels nichts mehr am Hut. Er
wird bald 11 Jahre alt und da ist man doch wohl etwas zu alt für so etwas, ich
meine Rumpelstilzchen und so.
Niels
Augen blickten apathisch ins Leere und mit seinen wuscheligen, fast blonden
Haaren, die durch das bestehende Licht mehr eine giftgrüne Farbe angenommen
hatten, sah er aus wie ein kleiner Kobold, der im Begriff war einen bösen
Zauberspruch aus zu sprechen.
Doch jetzt
klärte sich sein Blick und er sah sich einen Moment lang verwirrt um. Dann
erkannte er Martin und sagte, diesmal völlig normal: „Hallo, willkommen in
meinen Träumen!“
„Weißt du
Niels, das hier ist kein Traum. Es ist alles echt!“ gab ihn Martin zur Antwort,
doch Niels schüttelte energisch seinen Kopf und sagte: „Na schön, wie du
meinst. Aber dann musst du mir mal Erklären, warum ich euch alle kenne und
alles über euch weiß!“
Dabei sah
Niels einem nach dem anderen in die Augen. „Dich kenne ich ja ganz gut Martin,
schließlich bist du mein Freund und wir gehen beide in die 4. Klasse, aber sag
mir doch mal woher ich alle diese Dinge weiß!“
„Was für
Dinge meinst du denn?“
Niels
deutete jetzt auf Till. „Der da ist Till. Doch es ist nicht der richtige Till.
Der wäre nämlich 14 Jahre alt. Aber der hier ist höchstens zwölf. Das hat sein
Ring mit ihm angestellt. Außerdem kann er sich damit unsichtbar machen. Es ist
der Ring hier an meiner Hand und gestern noch hat ihn Svenja getragen, bevor
sie ihm diesen Ring vor die Füße geworfen hat, weil dieser miese Theo...“
„Halt!“
unterbrach ihn Till etwas grob. „Woher willst du das wissen?“
Doch Niels
ignorierte seine Frage und fuhr fort: „Das dort ist Sara!“ Dabei deutete er auf
das Mädchen, das er eigentlich nicht kennen konnte. Fassungslos lauschte sie
seinen Worten.
„Sara ist
die Schwester von Tills Freundin Svenja. Ach ja Martin, du warst mit ihr in
diesem Schuppen und dort habt ihr den Schlüssel gefunden. Es ist der Schlüssel,
mit dem ihr diese Turmtür geöffnet habt!“ Triumphierend
sah er die anderen an, die fassungslos seinen Worten gelauscht hatten.
Doch Nils
war noch nicht fertig. „Ich weiß, das Dennis als Kleinkind ein Kinderbett
hatte, das wie ein Feuerwehrauto ausgesehen hat, auch, das einige von euch in
einer Welt waren, in der alles Rückwärts lief. Um es kurz zu machen; Ich weiß
einfach alles, alles über den Steinigen Ritter, über ANDERSWO und natürlich von
Prinz Marvin!“
Niels
verstummte und sah nun abwartend auf seine Zuhörer. Diese mussten das eben
gehörte erst einmal verdauen und schwiegen eine ganze Weile, bis Kesse endlich
das Wort ergriff.
„OK Niels,
du hast das tatsächlich alles geträumt. Ich hatte auch so einen Traum aber das
wirst du ja sicher wissen!“
Niels
nickte nur und Kesse fuhr fort. „Aber jetzt ist dein Traum zu Ende, kannst du
das nicht begreifen?“
Niels war
es nun, der lange schwieg. Martin sagte dann: „Du weißt, was ich dir um den
Hals gehängt habe. Nimm es in deine Hände!“
Zögernd
griff Niels nach dem „Sehenden Auge“ und als er es berührte, schloss er
unwillkürlich seine braunen Augen. Er spürte sofort, wie ihn eine tiefe innere
Ruhe ergriff und schlagartig erkannte er, das er nicht
mehr träumte.
Rasch
schlug er seine Augen wieder auf und seufzte dann: „Ihr habt recht. Jetzt bin
ich wach und mein Traum ist zu Ende und...“
Hier
verstummte Niels und sackte dann etwas in sich zusammen. Es sah fasst so aus
als würde er Ohnmächtig werden, doch das tat er zum Glück nicht.
Till ging
zu seinem Mofa Anhänger, der ebenfalls neben den Zelten stand und kam mit drei
großen Flaschen Cola zur Feuerstelle zurück.
Es waren
jene Cola Flaschen, die Till gegen Theos willen gekauft hatte.
„Hier
Freunde, lasst uns erst einmal etwas trinken und essen. Ich bin hungrig wie ein
Wolf!“ sagte er dann.
„Also mit
dem Essen sieht es etwas schlecht aus. Ich habe nichts mehr.“ stellte Martin
fest.
Den
anderen er ging es nicht viel besser. Die letzten Reste ihres Proviants hatten
sie zum Frühstück gegessen. Doch Till fand nach einigem Suchen noch eine Tüte,
in der sich fünf, leider nicht mehr ganz so frische Brötchen befanden. Der
Rest, von ihrem Grill Abend, der zu mindestens für Theo gründlich in die Hose
gegangen war.
Till
fragte sich, wo Theo sich jetzt aufhielt. Ob er immer noch in dem Turm steckte?
„Hier,
lasst uns diese fünf Brötchen teilen. Mehr habe ich leider nicht mehr finden
können!“
„Schon gut
Till, wir werden schon nicht gleich vom Fleisch fallen und verhungern!“ sagte
Dirk. Kauend sahen alle Kinder jetzt immer wieder zu Niels herüber, bis es dem
Jungen zu viel wurde.
„Was ist?
Warum starrt ihr mich alle so an?“
„Na das
liegt doch wohl auf der Hand! Wir warten darauf, das du endlich anfängst uns
deine Geschichte zu erzählen!“ sagte Martin milde zu seinem Freund, der grade
einen kräftigen Schluck Cola aus einer Flasche trank.
„Mit was
denn zum Beispiel?“ fragte dieser etwas gereizt zurück.
„Komm,
beruhige dich doch. So schwer kann das doch nicht sein, oder?“
„Jetzt
muss ich dich leider enttäuschen Martin, denn es ist schwerer als du es dir
Vorstellen kannst!“
„Hör schon
auf damit!“ sagte Martin jetzt etwas ungehalten. „Ausgerechnet du findest das
erzählen von einer Geschichte schwer? Hast du etwa schon vergessen wie du mir
damals, mit deinem Bruder zusammen diese grässliche Gruselgeschichte erzählt
hast?“
„Nein,
natürlich nicht. Aber damals hatten wir uns diese Story einfach nur so
ausgedacht. Verstehst du das denn nicht, du Hirni?“
„Nö, kein
Wort!“
Niels
sprang jetzt wütend von der Bank auf und lief unruhig vor dieser hin und her.
Niemand
konnte sich erklären, was den Jungen so in Rage gebracht hatte. War seine
Geschichte denn soviel schlimmer, als das, was sie selbst bisher alle erlebt
hatten? Oder war Niels noch immer nicht ganz zurück aus seinem Traum, den er
wie ein Kinofilm erlebt zu haben schien.
Niemand
sprach ein Wort und endlich setzte sich Niels wieder auf seinem Platz. Dann
sagte er kaum noch hörbar für die anderen:
„Ich weiß
einfach nicht, wo ich anfangen soll. Es ist alles so durcheinander in meinem
Kopf. Und dann dieser andere Traum, den ich vor ein paar Tagen hatte, der mit
diesem hässlichen Zwerg der mir meine Schleuder wegnehmen wollte und...“ Niels hatte immer leiser gesprochen und zum
Schluss war es kaum mehr als ein Flüstern, was jetzt völlig erstarb.
Martin
legte ihn seinen Arm auf die Schulter und sagte leise: „Schon gut Niels, wir
schaffen das schon. Nimm jetzt bitte wieder das sehende Auge in deine Hände.
Das beruhigt dich und wird dir helfen.“
Er dachte
kurz nach und sagte dann: „Wir machen es ganz anders. Ich werde dir einfach ein
paar Fragen stellen und du beantwortest sie mir einfach nur. Glaubst du, das du
das packst?“
Niels, der
inzwischen die Kette mit dem „Sehenden Auge“ in seinen Händen hielt nickte nur
stumm und Martin überlegte sich jetzt mit welcher Frage er beginnen sollte.
Dabei stellte er fest, dass er eine Menge davon gab. Schließlich sagte er: „OK,
eben hast du von einer Waffe gesprochen. Was ist das für eine Waffe?“
Niels sah
ihn überrascht an und sagte dann: „Willst du sie sehen? Ich habe sie nämlich
dabei!“
„Ja sicher
doch. Zeige sie uns mal!“
Durch die
Kinderschar ging jetzt ein leises Flüstern, als Niels aufstand und dann seinen
Pulli an der Seite etwas hoch hob. Im nächsten Moment zog er eine, etwa 30 cm
lange Steinschleuder aus seinem Hosenbund und präsentierte sie dann der
überraschten Gruppe.
Was allen
sofort ins Auge stach, war die Form der Gabel, an der ein überaus dickes Gummi
befestigt war.
Da Niels
die Geschichte mit den geheimnisvollen Siebenecken aus seinem Megatraum bereits
schon kannte, nahm er jetzt das Schießgummi und hängte es genau an dem
verstärkten Mittelpunkt über seinen Zeigefinger auf. Dann ließ er die Schleuder
los und alle konnten sofort erkennen, was er mit dieser Demonstration bezwecken
wollte.
Gummi und
Gabel ergaben in dieser Position die exakte Form eines Siebenecks, was
niemanden mehr verwunderte.
Niels gab
jetzt die Steinschleuder an Martin weiter und dieser an Dennis.
Sie
stellten fest, das Griff und Gabel aus einem Guss und
vermutlich aus reinem Silber bestand. Das Gummi selbst fühlte sich wie Samt an
und hatte eine goldartige Farbe, die natürlich jetzt, bedingt durch das
Dämmerlicht einen Grünstich hatte.
„Lass mich
mal Raten Martin“, ergriff Niels wieder das Wort, „Jetzt willst du sicher als
nächstes von mir wissen, woher ich die Schleuder habe. Richtig?“
„Du bist
ja ein richtiger Schnelldenker mein Freund. Wir alle wollen das natürlich
wissen, also raus damit. Ich gehe jede Wette mit dir ein, das
du diese Steinschleuder gefunden hast! Habe ich recht?“
„Das mit
deiner Wette vergiss lieber gleich. Du hast recht. Ich habe sie tatsächlich
gefunden!“
Niels
legte jetzt seine Stirn in Falten und es sah so aus, als dachte er angestrengt
über etwas nach. Dann schüttelte er seinen Kopf und begann dann mit seiner
Abenteuerlichen Geschichte, die sich streckenweise so anhörte, als habe diese
ein Irrer für eine Hollywood Filmproduktion Firma geschrieben, deren
Hauptaufgabe nur darin bestand,
Gruselfilme zu drehen.
*
„Es war am
letzten Freitag als das alles begann und ich wollte, das ich alles, was ich
euch jetzt erzähle lieber geträumt hätte. Aber selbst für einen Traum war es
einfach nur schlimm für mich.
Nachdem
die Schule zu Ende war, ging ich wie immer nach Hause und machte meine
Hausaufgaben.
Das war
schnell erledigt und dann beschloss ich mit meinem Fahrrad etwas durch die
Landschaft zu gondeln. Ich hatte kein besonderes Ziel und dennoch zog mich
irgendetwas unbekanntes immer weiter aus der Stadt hinaus.
Ich fuhr
dabei über die geteerten Wirtschaftswege, auf denen man bis nach Sedenau fahren kann.
Auf halber
Strecke etwa, kurz vor der kleinen Brücke, knallte es plötzlich sehr laut und
mein Vorderreifen löste sich dann buchstäblich einfach in Luft auf.
Ich fiel
nach rechts auf die Wiese und war ziemlich verdattert. Das könnt ihr euch
sicher vorstellen. Alles war so schnell passiert, einfach aus dem nichts
heraus.
Zum Glück
hatte ich mich nicht verletzt und so rappelte ich mich langsam auf und
betrachtete dann ungläubig das, was einmal mein Vorderreifen gewesen sein
musste.
Ich
übertreibe bestimmt nicht wenn ich euch sage, das Hunderte von kleinen Gummi
und Schlauchteilen in einem Umkreis von etwa 10 Metern um mein umgestürztes Rad
herum verstreut lagen.
Auf der
Felge selbst war auch nicht mehr die Spur eines Reifens oder Schlauches zu
sehen. Ja selbst dass Ventil war samt den dazu gehörigen Teilen aus dem
Felgenloch heraus verschwunden.
Erst jetzt
wurden meine Beine weich wie Gummi und ein leichter Schwindel breitete sich vor
meinen Augen aus. Doch bevor ich einfach nur umkippte, gelang es mir noch
rechtzeitig mich auf den schmalen Teer Weg zu setzen.
Für kurze
Zeit, vielleicht eine Sekunde oder so, musste ich wohl Ohnmächtig gewesen sein,
denn um mich herum verdunkelte sich alles.
Das erste,
was mir als nächstes in den Sinn kam war, das vielleicht irgendein Verrückter
auf mich geschossen hatte und das dieser Verrückte noch in der Nähe sein
konnte. Ich meine, was hättet ihr denn geglaubt, der laute Knall, die vielen Einzelteile
meines Reifens?“
Niels
schwieg und sah auf seine Zuhörer, die ihn nur mit offenen Mündern anstarrten.
Endlich
war es Martin, der ihn eine Antwort gab.
„Niels,
das hätte sicher jeder von uns vermutet wenn uns dasselbe passiert wäre.
Erzähle jetzt einfach nur weiter, bis du fertig bist. Übrigens machst du das
sehr gut, ich meine das erzählen!“
Niels war,
während er gesprochen hatte, immer sicherer geworden. Aber bisher war er ja
noch bei dem vergleichsweise harmlosen Anfang seiner Erlebnisse. Das konnte der
Rest der Gruppe ja nicht wissen.
Er holte
tief Luft und erzählte dann weiter.
„Angesichts
dieser Gedanken duckte ich mich instinktiv und versuchte mich so klein wie
möglich zu machen doch gleichzeitig wurde mir klar, das ich dennoch eine schöne
Zielscheibe abgab. Ich musste also so schnell wie möglich von hier
Verschwinden. Aber wohin?
Links und
rechts befanden sich nur große Wiesen und auch aus der Richtung, aus der ich
gekommen war, gab es weit und breit keine Deckung. Blieb nur die Brücke unter
der ich deutlich den Bach entlang rauschen hören konnte. Ansonsten herrschte
Stille.
An den
Ufern des Baches standen etliche Bäume und jede Menge dichtes Gestrüpp,
eigentlich genug Deckung, wie ich zuerst glaubte.
Doch dann
stieg Panik in mir auf, denn mir wurde Bewusst, das auch der Unbekannte Schütze
sich dort irgendwo verborgen hielt.
Wie
gelähmt hockte ich jetzt da und dann hörte ich diese Verrückte Stimme. Eine von
vielen Stimmen, die noch folgen sollten.
Diese
erste hörte sich jedenfalls so an, als würde der Besitzer mit dem Kopf unter
Wasser sprechen. Klingt irgendwie verrückt, ist es sicher auch, aber genauso
war es.
Die Stimme
rief meinen Namen, mehrmals hinter einander und dann änderte sich die Tonlage
schlagartig.
Jetzt war
es ein hohes, schrilles und gehässiges lachen, das meine Trommelfälle quälte
und dann rief das unsichtbare Wesen: „Niels, komm und spiele mit mir. Ich kenne
viele böse Spiele und wenn du gewinnst, wirst du einen Preis gewinnen!“
Ich sage
euch, das konnte kein Mensch sein und ich sollte recht behalten.
In meinen
Kopf hämmerte nur ein Gedanke. Nichts wie weg von hier. Doch zu meinem
Entsetzen kroch ich jetzt auf allen vieren wie ein Hund auf die Brücke zu.
Es war,
als steuerten sich meine Arme und Beine wie von selbst.
Endlich
konnte ich auch schreien und ich schrie immer wieder: Nein, nein, doch dass
Fremde Ding schrie ebenfalls, diesmal in einem recht dunklen Tonfall.
Auf jedes
„nein“ von mir, folgte ein gehässiges „Ja“ von ihm.
Nur 5
Meter vor der Brücke lag direkt vor mir auf dem Weg ein glitzernder Gegenstand
und zuerst dachte ich, es wäre mein Ventil. Doch als ich näher heran kam,
erkannte einen Kristallähnlichen Stein, der in vielen Regenbogenfarben in der
Sonne schillerte.
Ohne zu
wissen warum, steckte ich ihn in meine Hosentasche. Das war gar nicht so
einfach, weil dieses teuflische Wesen immer noch meine Arme und Beine
kontrollierte und mich gegen meinen Willen bis in die Mitte der Brücke lenkte.
Erst dort
konnte ich mich wieder frei bewegen. Die Stimme war inzwischen verstummt und da
ich niemanden sehen konnte, beugte ich mich vorsichtig über die rechte
Brückenmauer und spähte nach unten.
Doch
nichts war zu sehen. Das Wasser rauschte wie immer in einer starken Strömung
unter der Brücke hindurch. Grade wollte ich mich erleichtert erheben als mir
das schrecklichste passierte, was ich je in meinem Leben erlebt hatte!“
Niels
hatte bei seinen letzten Sätzen immer langsamer und stockender gesprochen und
jetzt schwieg er erneut. Auf seiner Stirn standen Schweißperlen und durch
seinen ganzen Körper ging nun ein beständiges zittern.
Till der
sich wieder rechts neben Niels auf die Bank gesetzt hatte, legte jetzt
ebenfalls einen Arm um dessen Schulter.
Niemand
sprach, hatte doch jeder irgendwie Angst, das sie den
jetzt wieder sichtlich geschockten Niels, völlig aus seiner Fassung bringen
konnten. Dann würde er möglicherweise überhaupt nichts mehr sagen. Und das
konnte die Gruppe sich einfach nicht leisten.
Sie mussten
alles erfahren, mochte es auch noch so gruselig sein.
Niels
beruhigte sich allmählich etwas und dankbar nickte er Till und Martin zu, die
ihn förmlich zwischen sich geklemmt hatten. Dann sagte er leise: „Ich glaube es
geht jetzt wieder. Versprecht mir nur mich festzuhalten. Mein Gott, ich hatte
solche Angst, es war so grausig, das...!“
„Wir
lassen dich nicht los, versprochen!“ sagten Martin und Till fast gleichzeitig
und dann erzählte Niels, erst stockend und dann immer fliesender, was weiter
auf der Brücke geschehen war.
„Ich
wollte mich also gerade erheben, als sich etwas Eiskaltes und Knochiges auf
meine beiden Schultern legte. Gleichzeitig hörte ich direkt hinter mir diese
rostige und schrill keifende Stimme: „Wir wollen doch nicht schon wieder gehen,
oder?“
Eigentlich
wäre ich ruckartig herumgefahren und aufgesprungen, hätte möglicherweise, nein,
ganz sicher gebrüllt vor Angst, doch ich war wieder wie gelähmt. Und so drehte
ich wie in Zeitlupe meinen Kopf nach rechts und dann sah ich diese bräunliche
Krallenklaue, die nur drei Finger hatte, wenn man diese Dinger überhaupt so
nennen konnte.
Erneut
versuchte ich zu schreien, doch es ging nicht. Dann Ries mich diese Kreatur mit
einem Ruck zu sich herum und bei diesem Anblick löste sich der Knoten in meinem
Hals und so ich konnte meine ganze Panik heraus brüllen.
Vor mir
stand ein hässlicher, kleiner Zwerg, der immer noch seine beiden Klauenhände,
die an zwei spindeldürren Ärmchen hingen, in meine Schultern krallte.
Der
kugelige Körper, der höchstens 90 cm groß war, stand auf zwei kurzen runden
Beinen, von denen ich nur seine Füße erkennen konnte, weil der Rest von einer
roten, schleierartigen Hose verdeckt wurde. Jeder Fuß hatte, wie schon seine
Hände auch, nur drei Zehen, die wiederum eher Messerscharfen Krallen glichen.
-14-
Weiter gehts
mit SEITE 15!
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