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Die Befreiung

 

 

 

„Links oder rechts herum?“ wollte Dennis von seinem Freund wissen als sie vor dem Turm standen. „Ist doch egal. Der Turm ist doch sowieso rund!“ Gab Dirk ihn zur Antwort.

Vorsichtig gingen sie jetzt an der Turmmauer entlang und als sie den Turm halb umrundet hatten, sahen sie tatsächlich ein kleines Häuschen vor sich, das etwa zwanzig Meter vom Turm entfernt an einem Weg stand, der ebenso mit weißem Kies belegt war, wie jener Weg, auf dem sie selbst vor Stunden hierher gelangt waren.

„Sieht aus als würde niemand zu Hause sein. Sollen wir gleich nach schauen oder lieber gemeinsam mit den anderen dorthinein gehen!“ fragte Dennis unsicher seinen Freund.

„Wir könnten ruhig mal einen näheren Blick riskieren. Es wird schon niemand zu Hause sein. Höchstens eine alte vergammelte Hexe, die...“

„Schon gut Dirk, also dann mal los.

Leise schlichen sie zum Haus hinüber, das tatsächlich irgendwie einem Hexenhäuschen glich, so wie man sie sich in einem Märchen vorstellten mochte. Es schien völlig aus Holz gebaut zu sein und als die Jungen direkt vor der kleinen Türe standen, sahen beide, das alle Holzteile mit kunstvollen Schnitzereien verziert waren. Selbst die Türklinke, die ebenfalls aus Holz zu bestehen schien und die Dennis nun langsam herunter drückte, machte hiervon keine Ausnahme.

Leise knarrte die Türe als diese nach innen aufschwang. Vorsichtig traten beide in das Gebäude ein.

Hatte das Haus von außen betrachtet einen eher kleinen Eindruck gemacht, so waren die Jungen doch überrascht, als sie sich jetzt im inneren umsahen.

Ein einziger gewaltiger Raum war mit Holzregalwänden in drei Bereiche unterteilt worden. Im Eingangsbereich befanden sich etliche Stehpulte, auf denen verschiedene Skizzen und Zeichnungen ausgebreitet lagen. Von der Decke herab hing einem Kronleuchter gleich, ein kunstvolles metallartiges Gerüst auf dem vier Petroleumlampen ähnliche Leuchtkörper montiert waren.

Dennis zog ein Feuerzeug aus der Tasche und entzündete die Lampen, die den Raum in ein erstaunlich helles Licht tauchten.

Jetzt sahen sie, das an den Wänden Regale standen die bis zur Decke hinauf reichten und in denen Tausenden von Fläschchen standen, in der sich unglaublich viele unterschiedliche Farbflüssigkeiten befanden.

Der mittlere Teil des Raumes glich eher einer rustikalen Küche, in deren Mittelpunkt ein großer Tisch stand. Um ihn herum standen acht Stühle, die wiederum vollständig mit geheimnisvollen Schnitzereien überzogen waren. Auf dem Tisch selbst standen acht Teller und acht Becher, die aus reinem Silber zu bestehen schienen. Das dazugehörige Essbesteck schimmerte golden farbig in dem Licht, das Dennis auch hier entzündete.

Ein mächtiger Ofen stand an einer Wand, daneben ein Stapel ordentlich geschichteter Holzscheite. An den Wänden hingen Töpfe und Pfannen und in einem Regal rechts davon, befanden sich weitere Küchen typische Gegenstände. Gegenüber vom Ofen stand ein hoher Schrank aus dem ein leckerer Duft heraus strömte der in Dennis Nase verführerisch kitzelte. Spontan öffnete er den Schrank und staunte nicht schlecht. „Man Dirk, sieh dir das nur an. Ich glaube es einfach nicht. Das ist ja wie im Scharaffenland. Hier hängen Würste, Schinken und was weiß ich noch für Leckereien!“

Dirk trat zu seinem Freund heran und sah nun ebenfalls in diesen, als Speisekammer genutzten Holzschrank. Augenblicklich lief ihm das Wasser im Mund zusammen und ohne ein weiteres Wort zu verlieren, ergriff er sich einer der geräucherten Würste von denen unzählige an den Hacken herunter hingen. Herzhaft  biss er in die Wurst hinein. Dennis folgte seinem Beispiel und schmatzend gingen sie nun in den hinteren Teil des Hauses.

Dort befanden sich acht große Betten, die nur darauf zu warten schienen endlich benutzt zu werden. Die Matratzen bestanden aus Sackähnlichen Gebilden, aus denen es nach frischem Heu roch. Darüber waren etliche Wolldecken ausgebreitet, die mit bunten Mustern bestickt waren.

„Ich fasse es einfach nicht!“ entfuhr es Dirk entzückt. „Es ist geradezu eine Einladung für uns. Findest du nicht auch Dennis?“

„Du hast recht. Lass uns schnell die anderen hierher holen, bevor sie sich noch sorgen um uns machen!“

„Kannst du nicht alleine zum Turm rüber laufen? Ich könnte in der zwischen Zeit ein Feuer in den Ofen machen!“

Dennis überlegte kurz dann willigte er ein. An der Türe drehte er sich noch einmal nachdenklich zu seinem Freund um und grade als er ihm etwas sagen wollte, kam dieser ihm zuvor und sagte in einem verschwörerischen Tonfall: „Keine Sorge, wenn eine alte, verkleidete hutzlige Hexe an diese Türe klopft werde ich ganz sicher nicht öffnen und bestimmt auch nichts kaufen, keine vergifteten Äpfel, keine Kämme und...“

Laut lachend verließ Dennis das Haus der Künstler und eilte zum Turm hinüber.

 

*

 

Sara schaute auf die blassen, schmalen Gesichtszüge von Marvin, die von lockigen rotbraunen Haaren umgeben waren und irgendwie Engelhaft auf das Mädchen wirkten.

„Was glaubt ihr. Wie alt wird er wohl sein?“ fragte sie nachdenklich Kesse und Niels, die ihre Augen auch auf den schlafenden Prinzen gerichtet hatten.

„Schwer zu sagen, könnte in unseren Alter sein. Wenigstens nach unserer Zeitrechnung!“ sagte Niels.

„Wie meinst du das denn?“ erkundigte sich Kesse, die nicht ganz verstand.

„Wenn „ANDERSWO“ tatsächlich ein fremder Planet ist, wie wir ja inzwischen glauben, dann läuft hier die Zeit bestimmt nicht so, wie bei uns daheim auf der Erde. Hier könnte ein Tag zum Beispiel nur 12 Stunden dauern. Kommt halt drauf an, wie groß dieser Planet ist, wie weit die Sonne entfernt ist und so weiter!“ erklärte Niels.

In diesem Moment rief Till von weit oben: „Wir sind oben, gleich geht das blaue Licht aus!“

Alle drei sahen jetzt zur Turmspitze hinauf, wo der blaue Kristall jetzt unruhig herum zu tanzen schien, bevor er dann schlagartig seine Leuchtkraft verlor.

„Soweit dieses!“ sagte Sara und fragte dann: „Wo bleiben nur Dennis und Dirk? Die hätten schon längst wieder hier sein müssen. So langsam mache ich mir sorgen und...“

Psst!“ Unterbrach sie Kesse. „Hör doch nur.“

Alle lauschten und deutlich hörten sie jemanden draußen laut lachen. Sekunden später wurde das Tor auf gestoßen und Dennis stolperte lachend auf seine verdutzten Freunde zu.

Sara war aufgesprungen und fragte verblüfft: „Was ist denn so komisch und wo ist Dirk?“

Dennis kicherte noch etwas vor sich hin und als er sich endlich beruhigt hatte, sagte er: „Wir haben das Haus der Künstler gefunden und Dirk entfacht dort grade ein wärmendes Feuer für uns!“

Wieder musste Dennis lachen und dabei sagte er: „Ihr werdet es nicht glauben, aber auf  uns wartet ein gedeckter Tisch mit Tellerchen und Becherchen, mit Gäbelchen und Messerchen. Aber das Beste ist, das es dort auch noch acht Bettchen gibt, in denen wir bestimmt gut schlafen werden!“

„Hört sich an wie ein Märchen!“ grinste Niels und Kesse sagte: „Ja, wir sind die sieben Zwerge und unser Marvin hier ist das Schneewittchen!“

Alle lachten jetzt. Als Till und Martin von der Turmspitze zurück kehrten, trugen sie gemeinsam den schlafenden Marvin hinüber in das entdeckte Haus. Dort verfrachteten sie den Prinzen in eines der Betten, bevor sie sich alle um den Tisch versammelten und sich dann ihre Bäuche mit den gefundenen Leckereien voll schlugen.

Als alle satt waren legten auch sie sich schlafen.

 

Sieben Stunden später erwachte Dennis schweißgebadet  aus einem wirren Traum. Zunächst wusste er nicht so recht, wo er sich befand und als er endlich klarer denken konnte, schlurfte er schlaftrunken in den Küchenteil des Hauses hinüber, wo zu seiner Überraschung Marvin bereits an dem Tisch saß und ihn neugierig entgegen blickte.

„Du bist Dennis?“ fragte dieser und Dennis nickte nur, während er sich nach seinem Rucksack umschaute.

„Und ihr kommt von einem Planeten?“ wollte Marvin neugierig wissen.

„Warte mal bitte Marvin. Ich muss etwas ganz wichtiges aufschreiben. Etwas, von dem ich geträumt habe!“ Während Dennis gesprochen hatte, kramte er sein Rätselheft heraus und begann nun damit eilig einige Worte hinein zu schreiben. Interessiert sah ihn Marvin dabei zu.

Als Dennis seinen Bleistift endlich ablegte fragte Marvin: „Wie werdet ihr es tun?“

„Was denn tun. Was meinst du?“

„Ihn töten, den Ritter. Wie werdet ihr es machen?“

Dennis, der immer noch nachdenklich auf seine eben geschriebenen Worte geblickt hatte sah überrascht auf und antwortete: „Aber Marvin, wir werden ihn nicht töten, wir werden ihn...“

Weiter kam er nicht mehr, den der junge Prinz war aufgesprungen und schrie wütend: „Was heißt das, ihr werdet ihn nicht töten. Ihr seid doch die angekündigten Retter oder etwa nicht?“

Dennis war nun ebenfalls auf gestanden und etwas ratlos. Deshalb sagte er: „Es ist so wie ich sagte. Wir werden ihn nicht umbringen, sondern erlösen von...“

Wieder unterbrach ihn Marvin, in dem er schrie: „Erlösen? Von was denn bitte erlösen!“ Tränen der Wut  rannen jetzt über Marvins Gesicht während er noch lauter schrie: „Diese Bestie aus Stein hat nur den Tod verdient, nach allem, was er uns angetan hat! Verstehst du das denn nicht?“

Durch den Lärm waren inzwischen auch die anderen erwacht und tauchten nun verschlafen in der Küche auf. Dirk sah fragend zu Dennis hinüber, der froh darüber war, das seine Freunde nun ebenfalls wach waren. Deshalb sagte er jetzt: „Setzt euch bitte alle hin, du auch Marvin!“

Alle setzten sich, nur Marvin blieb trotzig stehen.

„Na schön Marvin, wie du willst!“ sprach Dennis nun leicht gereizt weiter. „Ich wollte es dir ja grade erklären, warum wir den Ritter nicht töten werden. Aber du hast mich nicht ausreden lassen. Es wäre also gut, wenn du jetzt erst mal zuhören würdest, bis ich fertig bin!“

Der Prinz nickte nur, machte aber immer noch keine Anstalten sich ebenfalls zu setzen.

„Dem Orakel, das was du in deinem Buch beschrieben hast. Dem traust du doch, oder?“

Marvin schluckte, nickte aber kaum merklich.

„OK, dann solltest du wissen, das wir dem Orakel auch trauen. Dirk ist der einzige von uns, der mit dem Orakel Kontakt hatte und er wird dir deshalb jetzt erzählen, was es ihm zuletzt mitgeteilt hat, kurz bevor wir durch das Portal gegangen sind und auf deiner Welt hier gelandet sind. OK?“

Marvin gab darauf keine Antwort und deshalb nickte Dennis seinem Freund kurz zu, der sofort verstanden hatte und dann kurz und bündig die letzte Nachricht des Orakels zusammen fasste. Noch während er erzählte, lies sich Marvin auf seinen Stuhl zurück fallen. Ungläubig versuchte er zu verstehen, was Dirk ihm da grade erzählt hatte. Er wischte sich die Tränen aus den Augen, schniefte laut und sagte dann: „Das habe ich alles nicht gewusst, tut mir leid.“

„Schon gut Marvin. Wir haben es ja auch erst vor kurzen erfahren.“ sagte Dirk.

Alle schwiegen eine Weile und dann fragte Marvin: „Wisst ihr denn inzwischen, wer den Ritter verflucht hat oder wer er in Wirklichkeit ist?“

„Leider nicht. Fest steht nur, das der große unbekannte weit mächtiger sein muss als unser Steinritter!“ gab ihn Kesse zur Antwort.

Marvin stand erneut auf und dann sprudelte es aus ihn hinaus: „Und wie wollt ihr das Steinmonster denn von seinem Fluch befreien? Ich meine, glaubt ja nicht, das er friedlich vor euch nieder knien wird. Ihr könnt mir glauben, das  er sicher nicht darauf wartet von euch entzaubert zu werden. Ich weiß schon von was ich rede. Zweimal habe ich ihn schon gegenüber gestanden und genauso oft hat er mich in Stein verwandelt. Gnadenlos und böse...“

Dennis stoppte Marvins Redefluss in dem er sich ebenfalls erhob und dann sagte: „Ich hatte einen Traum, einen ganz irren Traum. In dem ging es um Monster, Hexen und Märchen. Und den würde ich euch allen gerne erzählen, weil ich glaube, das ich jetzt weiß, wie wir den Fluch des Steinritters brechen können!“

Fassungslos setzte sich Marvin wieder hin und auch die anderen sahen ihn entgeistert an. Schließlich sagte Sara spitz: „Diese Geschichte gestern, mit Schneewittchen und den sieben Zwergen, das Haus hier, das alles scheint dich wohl bis in deine Träume zu verfolgen, was?“

„Sara, das war völlig überflüssig jetzt. Schon vergessen, das wir nur gemeinsam den Fall lösen können?“ mischte sich Kesse in einem Tonfall ein, der auch nicht gerade sehr freundlich war.

„OK, ich erzähle euch einfach mal meinen Traum und dann entscheidet selbst!“

 

Dennis erzählte:

 

„Ich war ein Vogel und flog durch einen dunklen finsteren Wald. Doch die Bäume standen immer dichter und so musste ich schließlich Landen. Da sah ich direkt vor mir einen frischen Brotkrummen und da ich Hunger verspürte, pickte ich danach um es zu verspeisen. Doch kaum in meinem Schnabel, verwandelte sich das Brot in einen Stein. Ich konnte ihn nicht mehr ausspucken und schluckte ihn herunter. So hüpfte ich etwas weiter und fand wieder einen Brotkrummen. Doch auch dieser wurde zu Stein und so ging es immer weiter, bis plötzlich vor mir unverhofft ein Feuer auf tauchte.

Um dieses Feuer herum sprang das grässlichste Wesen, was ich jemals in meinen Träumen gesehen habe!“

Dennis sah zu Niels herüber, der nur stammelte: „Willst du damit sagen, das du in deinem Traum den Monsterzwerg gesehen hast mit dem ich es zu tun hatte?“

Dennis nickte und erzählte dann weiter: „Dieser Zwerg sah tatsächlich so aus, wie Niels uns ihn damals beschrieben hat. Ich wollte weg fliegen, doch die Steine in meinem Bauch waren einfach zu schwer um meinen Vogelkörper in die Luft zu bekommen.

Der Zwerg hatte mich ohnehin schon erwartet, denn jetzt sprach er zu mir. Er sagte: „Nun Dennis, ich habe dich bereits erwartet, schön das du etwas Zeit für mich gefunden hast!“

Ich war wie gelähmt, merkte ich doch, das ich jetzt in meinen Traum tatsächlich Dennis war und nicht mehr ein Vogel. Der Zwerg sagte dann: „Ich muss schon sagen, das du wirklich gemeine Freunde hast. Da ist man nett zu ihnen, will mit ihnen verstecken spielen und dann bestehlen sie mich einfach! Du weißt von wem ich hier rede?“

Natürlich wusste ich, das er nur Niels damit meinen konnte und irgendwie hatte ich nur einen Wunsch. Ich wollte weg von diesem Giftzwerg, wollte aufwachen aus diesem Traum, von dem ich wusste, das es nur ein Traum sein konnte. Irgendwie verschwamm dann alles um mich herum, doch der Zwerg holte mich wieder zurück und fauchte mich an: „Ich bin noch nicht ganz fertig mit dir! Es ist eigentlich recht unhöflich zu gehen, ohne sich wenigstens zu verabschieden. Eigentlich wollte ich dir nur helfen und es wäre nett, wenn du dir wenigstens meinen Vorschlag noch anhörst, bevor du und deine Freunde euch sinnlos ins Verderben stürzt! Und das werdet ihr bestimmt ohne meine Hilfe!“

 

Dennis hatte während er erzählte seine Augen geschlossen um sich besser an seinen Traum erinnern zu können. Jetzt schlug er sie wieder auf und nahm das Rätselheft in seine Hände und studierte kurz seine Notizen. Dann schloss er erneut seine Augen, holte tief Luft und erzählte dann was weiter in seinem Traum passierte.

„Der Zwerg sang dann das Lied, was er damals Niels schon einmal vor gesungen hatte. >Ach wie gut, das niemand weiß, wie der steinige Ritter heißt>

Dann sagte er mir: „Ich weiß, das ihr es noch nicht wisst aber ich weiß es schon! Ich werde dir seinen Namen verraten wenn du mir etwas versprichst!“

Ich wollte dann wissen, weshalb wir den Namen des Ritters unbedingt wissen müssten. Da sagte er mir, das es genau nur dieser Name sein wird, der den Fluch des Ritters beenden könnte.

Jetzt wollte ich noch wissen, was ich ihn denn versprechen sollte und da sagte er mir sinngemäß, das ich ihm irgendwann einmal Helfen müsste, egal zur welcher Zeit er es verlangen würde und egal an welchem Ort er meine Hilfe dann braucht. Nur gegen dieses Versprechen würde er mir den Namen des Ritters verraten!“

 

Dennis öffnete seine Augen und schaute erneut in sein Rätselheft. Dann sagte er: „Der Zwerg hatte tatsächlich eine Tätowierung auf seiner Stirn. Doch erkennen, um was für Zeichen oder Buchstaben es sich dabei handeln mochte, konnte ich zunächst einmal nicht. Es war alles so unscharf, weil der Gnom seine ekelhafte faltige Haut ständig in Bewegung hatte. Ja es sah fast so aus, als würde seine schleimige Haut ein Eigenleben führen.

Erst als ich diesem Widerling versprach, mein Versprechen zu halten, wenn er uns tatsächlich helfen konnte, wurde die Tätowierung für kurze Zeit deutlicher, so das ich sie lesen konnte!“

Alle hatte gespannt  zugehört und als Dennis nun schwieg und nicht mehr weitersprach, platzte es schließlich aus Dirk heraus: „Mensch sag schon, wie ist der Name des Ritters!“

Dennis antwortete nicht direkt, sondern blätterte wieder in seinem Rätselheft herum und schrieb dann erneut etwas auf. Dann sagte er: „Wir haben schon ganz richtig damit gelegen, das die Buchstaben auf dem Nummernschild mit unseren Namen zu tun haben könnten, aber eben nicht ganz richtig!

„Und das heißt jetzt was?“ erkundigte sich Sara etwas schroff.

„Das heißt, das es nicht die Anfangsbuchstaben unserer Namen sind, die den Namen des Ritters bilden, sondern die jeweils letzten Buchstaben! Unser Freund da draußen heißt: NEKLASS!“

„Bist du dir da absolut sicher? Kein Irrtum möglich?“ fragte Marvin skeptisch.

„Nicht wirklich!“ gab Dennis zu. „Möglich, das der Zwerg mich reingelegt hat. Aber diese Buchstaben sind tatsächlich die letzten in unseren Namen. Das habe ich schon überprüft. Ich kann mir kaum vorstellen, das unser Giftzwerg eigens für mich, oder besser gesagt für uns alle, seine Tätowierung verändert hat, nur um uns damit in die Irre zu führen!“

„OK, ich schlage vor, das wir jetzt erst mal etwas essen und uns dann in Ruhe auf unsere Aufgabe vorbereiten!“ schlug Till vor.

„Gute Idee!“ fand Dirk, der sich allerdings fragte, was es überhaupt  noch vor zubereiten gab. Während sie aßen, erzählte Dirk seinen Freunden, wie er die ganze Sache sah.

„Vorbereiten werden wir uns wohl kaum müssen! Sagte er schmatzend. „Ich meine, wir warten auf die Ankunft des Ritters, stellen uns ihm dann einfach in den Weg und erzählen ihm in einem freundlichen Plauderton, wie sein Name ist!

Der Ritter wird sich an seinen Namen erinnern, dumm aus seinen Steinbrocken schauen und dann jämmerlich schreiend, sich zu dem oder das zurück verwandeln, was immer das auch vorher gewesen sein mag.  „ANDERSWO“ selbst wird aus seinem steinigen Dämmerzustand erwachen und für immer frei sein!“

Nies kicherte und sagte: „Und wenn sie nicht gestorben sind, dann Leben sie noch heute!“ Etwas ernster fügte er noch hinzu: „Ich hoffe, du hast recht damit!“

 

 

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© by Moritz W. Haus 2002

 

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