SEITE 6

 

4.Kapitel

Das Buch

 

 

 

Alle lauschten gespannt, als Dennis damit begann die ersten Zeilen des Buches vorzulesen.

Dennis las:

 

Ich hoffe, das du unbekannter Leser zu jenen sieben gehörst, die meine Welt retten werden und nicht derjenige bist, der unser schönes Land mit eisiger Kälte und einer ewig anhaltender Dunkelheit überfallen hat.

Und solltest du doch der „Ritter aus Stein“ sein, so sollst du wissen, das ich „Prinz Marvin“ von „ANDERSWO“ bin, der einzige in meinen Land, den du noch nicht in einen Stein verwandeln konntest.

Aber ich hoffe, das du, der diese Zeilen jetzt grade liest, einer von den sieben Rettern bist und mit deinen Freunden kommen wirst, um das grausige treiben vom Steinigen Ritters zu beenden.

Dennis schlug die nächste Seite auf und las weiter:

 

Aber bevor ich nun die ganze Geschichte erzähle, möchte ich euch noch warnen.

Verliert niemals dieses Buch!

Dieses Buch ist der Schlüssel zu einem Tor, das ihr hoffentlich bald finden werdet. VERGESST das NICHT!

Ohne dieses Buch werdet ihr diese Welt, in der ihr euch jetzt grade befindet niemals mehr verlassen können! Und natürlich ist dann auch meine Welt für immer verloren.

Doch hört nun, was passiert ist.

 

„Warte!“ rief Kesse. Dennis sah auf und schwieg.

„Das ist vollkommend Verrückt, was dieser Marvin da schreibt!“

„Findest du?“ wollte Dirk von ihr wissen und schaute unsicher zu Kesse hinüber die sich quer in einem Sessel gelümmelt hatte und albern kicherte.

„Ja, total. Ein Märchenbuch von einem Möchtegern Prinz, hihi, der von einem Ritter aus Stein redet..., ha, das ich nicht lache...total durch geknallt der Junge und dann...“

Während Kesse sprach, lachte sie weiter albern vor sich hin und irgendwie sah sie so aus, als würde sie gerade ihren Verstand verlieren.

Dennis klappte das Buch zu und sah zu Dirk hinüber und dieser sagte laut und energisch: „Kesse, das reicht!“

Martin blickte gebannt auf das Mädchen, was jetzt schrill vor sich hin kicherte und keine Anstalten machte damit auf zuhören. Im Gegenteil.

Huhihi, Dirk pass auf..., hinter dir steht ein Steiniger Ritter..., haha..., und wenn er dich packt, dann wirst du zu Stein! Hua, ist das komisch...“

„Die spinnt ja vollkommend. Sind wohl die Nerven. Was sollen wir nur machen? fragte Dennis etwas ratlos.

„Wir geben ihr eine saftige Ohrfeige!“ schlug Martin vor und ging dann in die Küche um sich etwas zu trinken zu holen.

„Ja genau. Das hilft bestimmt! Wenn Mädchen Hysterisch werden knallt man ihnen eine. Das kenne ich aus den Fernsehen!“ stimmte Dirk eifrig zu. Es stand vom Sofa auf und ging langsam auf Kesse zu.

„Nein nicht!“ schrie Dennis und war nun ebenfalls aufgestanden.

Dirk drehte sich fragend zu seinem Freund um, während Kesse weiter vor sich hin brabbelte.

„Hast du etwa eine bessere Idee oder möchtest du ihr lieber eine Ohrfeige geben Dennis!“ raunzte Dirk etwas gereizt.

Doch Dennis schüttelte den Kopf. „Dann mach schon, hoffentlich hilft es.“ sagte er dann.

Dirk drehte sich wieder zu Kesse um.

Huuu, was ist mir kalt..., ein tiefgefrorener Ritter aus Stein..., oh mein lieber Prinz Marvin...“ stammelte Kesse vor sich hin. „Woher weißt du eigentlich, in welcher Welt wir sind...du magischer Marvin du, hahahi...“

Dabei verdrehte sie ihre Augen und fuchtelte mit ihren Armen sinnlos in der Luft herum.

Dennis machte sich ernsthaft Sorgen um Kesse, nicht nur weil Dirk im Begriff war ihr eine Backpfeife zu verpassen. Nein, er glaubte tatsächlich das Kesse verrückt geworden war. Aber warum?

Ihn durchzuckte ein Gedanken, den er aber gleich wieder verwarf. Laut sagte er mehr zu sich selbst: „Nein, das kann nicht sein; das darf einfach nicht sein!“

„Hä, was kann nicht sein?“ wollte Dirk wissen, der sich erneut zu Dennis herum gedreht hatte.

„Nun ja, war nur so ein Gedanke. Vielleicht habe ich sie verhext ohne das ich es wollte als ich aus dem Buch vorgelesen habe und...!“

Jaa, genau Dennis“, kreischte Kesse los, „du hast aus Marvins Zauberbuch einen Fluch auf mich gelegt..., du und dieser...haha...Steinige Ritter...“

„Sag mal Dennis, spinnst du jetzt auch?“ Dieser schüttelte rasch seinen Kopf.

Martin kam aus der Küche zurück geschlurft, wo er sich ein großes Glas Cola geholt hatte.

Ihm war Kesses verhalten auch etwas unheimlich.

Diese gurrte jetzt in einem unheimlichen Tonfall: „Spieglein, Spieglein Anderswo, kackt der Ritter Steine ins Klo...hihi...“

Martin musste laut lachen und Dirk reichte es nun endgültig.

Er hob nun rasch seine rechte Hand, ließ sie aber dann gleich wieder sinken. Er drehte sich zum Wohnzimmertisch um und ergriff dann Martins Glas, was dieser dort abgestellt hatte. Es war bis oben hin mit Cola und Eiswürfeln gefüllt.

Dann packte er Kesse am Kragen ihres Smilie Pullis und schüttete ohne mit der Wimper zu zucken das eisige Getränk, samt Eiswürfel hinten in ihren Pulli hinein.

Schnell trat er zurück um einen Sicherheitsabstand zu bekommen. Es war ja möglich das Kesse nun völlig ausrastete. Aber das tat sie nicht.

Stattdessen verstummte das Mädchen und sah ihn entgeistert an.

Dann erhob sie sich langsam und mit Tränen in den Augen verließ sie dann schweigend das Wohnzimmer. Deutlich hörte man nur wenig später die Badezimmertüre heftig ins Schloss fallen.

„So, scheint gewirkt zu haben, oder?“ stellte Dirk befriedigt fest. Dabei lächelte er Dennis an der sichtlich erleichtert war. Liebend gerne wäre er ihr gefolgt um sie zu trösten, doch unterdrückte er diesen Wunsch.

„Hast du ein paar trockene Anziehsachen für Kesse?“ erkundigte er sich dann bei Martin.

„Klar doch! Ich werde schon etwas Passendes finden.“

Mit diesen Worten machte er sich auf den Weg, drehte sich aber an der Tür noch einmal herum und sagte: „Aber sagt mal das mit dem Klo war doch eben witzig oder? Ich meine ein Ritter aus Stein, der kann doch nur Steine kacken oder seit ihr da anderer Meinung!“ lachte er und verschwand dann im Flur.

„Wo er recht hat, hat er recht!“ lachte Dirk wurde aber gleich wieder ernst als er Dennis besorgte Mine sah.

„Komm schon Dennis. - Kesse ist wieder OK, es war ihr halt alles zufiel heute. So ist das halt mit Mädchen, verstehst du?“

„Ja schon gut. Mir geht es auch nicht grade gut und wenn du ehrlich bist, bist du genauso erledigt wie ich. Wir sollten schlafen gehen!“

„Gute Idee!“ sagte Dirk und gähnte etwas übertrieben vor sich hin.

 

*

 

Mit Tränen in den Augen starte Kesse in den Spiegelschrank über dem Waschbecken und sah dort das müde und abgekämpfte Gesicht von Lisa, jenem Mädchen das sie vor langer Zeit einmal gewesen sein mochte, als ihre Mutter noch lebte.

Sie fragte sich, weshalb sie eben so Hysterisch reagiert hatte. War es wirklich nur diese seltsame Geschichte? Eine Geschichte, deren Ende sie noch gar nicht kannte?

Langsam zog sie die silbernen Spangen aus ihren blonden, verschmutzten Haaren und entschloss sich spontan ein warmes Bad zu nehmen. Grade als sie das Wasser einlaufen ließ, klopfte es an die Badezimmertür.

„Wer ist da?“ fragte sie schluchzend.

Ich bin`s, Martin. Ich habe hier ein paar saubere Sachen für dich. Die passen dir bestimmt!“

Kesse öffnete und nahm dankend die Anziehsachen entgegen.

Martin sah in ihr verheultes Gesicht und fragte etwas Unsicher: „Alles OK bei dir? Ich meine was hätte Dirk sonst tun sollen. Weist du, eigentlich wollte er dir eine...“

„Ich weiß“, unterbrach ihn Kesse, „Er wollte mir eine Ohrfeige verpassen.“

„Das weißt du?“ entfuhr es Martin überrascht. „Du warst vorhin wie irre Kesse, so als ob du nicht mehr du selbst warst!“

„Ja, ich habe irgendwie neben mir gestanden, verstehst du?“

„Nö! Eigentlich nicht.“

„Na egal, kannst du mir einen Gefallen tun Martin?“

„Klar doch!“ sagte er hilfsbereit.

„Sag doch den anderen, das es mir leid tut. Ich bin irgendwie müde und ich glaube...“

„Schon OK!“ unterbrach sie Martin. Dann drehte er sich um und sagte im weggehen: „Du nimmst jetzt ein schönes Bad und wir Männer kümmern uns um das Nachtlager!“

Über Kesses Gesicht huschte ein kleines Lächeln. Sie schloss die Tür und stieg dann in das warme Wasser.

 

*

 

Die Jungen beschlossen die Nacht gemeinsam im Wohnzimmer zu verbringen.

Auch wenn es genug Platz im Hause gab, hielten es die Kinder für ratsam zusammen in einem Zimmer zu schlafen. Denn „ER“, von dem sie nun wussten, das er ein „Ritter aus Stein“ war, konnte jederzeit erneut zuschlagen.

Das Sofa konnte man ausklappen und bot so Platz für zwei. Dirk und Dennis nahmen es in Beschlag.

Martin holte seine Matratze aus seinem Zimmer und legte sie für Kesse bereit. Er selbst schob sich die beiden Sessel zusammen und hatte so ein gemütliches Nest.

„Das Buch und den Ball werden wir sicherheitshalber in Kesses Rucksack verstauen! Ich meine du willst doch heute nicht noch mehr aus diesem Buch vorlesen?“ erkundigte sich Dirk bei Dennis mit gerunzelter Stirn.

„Besser nicht. Wir sind alle Müde und sollten gleich schlafen gehen.“ Dabei streckte er sich und gähnte herzhaft. Dann sprang er auf das ausgeklappte Sofa und verkroch sich unter einer der beiden Decken, die Martin besorgt hatte.

Als Kesse eine viertel Stunde später aus dem Bad kam schliefen die Jungen bereits tief und fest. Kesse löschte das Licht und als sie ihr Lager im dunklen gefunden hatte fiel auch sie in einen tiefen Schlaf.

Der einzige der noch nicht schlief war Florizwo, der zufrieden an einer alten Brotkruste nagte.

Martin hatte den Ersatzkäfig neben seinem Sesselbett auf den Boden gestellt um ihn in seiner Nähe zu wissen. Aber auch das Tier war müde und so schlief es ebenfalls bald ein.

 

*

 

Als Dirk wieder erwachte, brauchte er eine Weile bevor er wusste, wo er sich befand. Durch das Fenster fiel etwas dämmriges Licht und er erkannte, das der Platz neben ihn leer war.

Dennis musste also schon wach sein. Langsam streckte er sich, als er aus der Küche klirrende Geräusche vernahm.

Mit halb geschlossenen Augen schlurfte er nun in die Küche und stolperte dabei über die Matratze, auf der Kesse leise vor sich hin schnarchte.

Diese murmelte etwas, was er nicht verstand und schlaftrunken kam er in die Küche.

Dennis war grade dabei, den großen runden Tisch zu decken und als er Dirk erblickte unter brach er sein tun und begrüßte seinen Freund freudig mit ihrem Ritual.

„Hi Bruder! Wo Bruder? Hier Bruder ist er nicht! Wo Bruder ist er denn? Ich weiß es nicht Bruder aber gut Bruder, das es dich gibt. Also Hi Bruder!“

Während sie sich dabei ihre Hände abklatschten wurde Dirk etwas munterer. Er erkannte, das Dennis nasse Haare hatte und zudem auch andere Klamotten trug als gestern. Fragend sah er seinen Freund an.

„Oh, ich war duschen und die Klamotten sind aus Martins Kleiderschrank. Ein Glück nur, das er so groß ist wie wir!“ erklärte Dennis.

„Aber jünger ist er schon.“ murmelte Dirk vor sich hin und verschwand dann aus der Küche um sich ebenfalls zu Duschen. Zuvor suchte er sich frische Sachen aus Martins Kleiderschrank zusammen.

Als er dann im Bad in den Spiegel schaute erschrak er etwas, angesichts dessen was ihm da entgegen starte. Seine Haare standen ihn ungebändigt vom Kopf ab, grade so wie die Borsten von einem in die Jahre gehkommender Besen.

Sein Gesicht glich einer Landkarte, die scheinbar mit Dreck und Essensresten gemalt worden war und um seinen Mund herum konnte er eindeutig Reste der Tomatensoße von der gestrigen Pizza erkennen.

„Buh!“ sagte er zu seinem Spiegelbild und ging dann in die Wanne wo er sich gründlich duschte.

 

Als er 25 Minuten später in die Küche zurück kehrte, herrschte dort geschäftiges Treiben. Kesse stand am Herd, bewaffnet mit einem Holzwender, während Dennis grade mit einer Kelle Teig aus einer Schüssel in das heiße Öl, was in einer großen Pfanne knisterte, goss.

„Pfannkuchen!“ seufzte Dirk und dabei lief im augenblicklich das Wasser im Mund zusammen.

Martin, der grade verschiedene Marmeladen Sorten auf den Tisch gestellt hatte sagte: „Da staunst du was? Leider haben wir kein frisches Brot, geschweige den Brötchen. Der Becker hat um diese Zeit geschlossen. Es ist ja jetzt Abend und nicht morgens!“

„Genau!“ rief Dennis vom Herd herüber. „Die Brote von gestern brauchen wir für heute. Nur gut, das wir sie in den Kühlschrank gelegt haben!“

Nach dem gemeinsamen Frühstück, was genau genommen eher Spätstück genannt werden musste, hatten sich alle im Wohnzimmer versammelt und Dennis begann nun erneut aus dem geheimnisvollen Buch vorzulesen.

Wie gestern benutzte er dazu den kleinen Spiegel. Etwas besorgt warf er zuvor Kesse einen verstohlenen Blick zu, doch als diese nur aufmunternd grinste, begann er zu lesen.

 

Dennis las:

 

Alles begann damit, als vor einigen Monden ein Bote in das Schloss meines Vaters zurück kehrte.

Er war in „SONSTWO“, einer mit uns befreundete Welt unterwegs gewesen und die Nachrichten, die er von dort mitbrachte waren keine guten.

Mein Vater, der König, konnte nicht glauben was er zu hören bekam.

Der Bote berichtete, das in „SONSTWO“ unheimliche Dinge geschahen. Etwas hatte damit begonnen, den Himmel zu verdunkeln und überall dort, wo es dunkel wurde zog eine eisige Kälte durch das Land.

Ich selbst war dabei, als der Bote von den unheimlichen Geschehnissen berichtete. Und genau wie mein Vater konnte ich es einfach nicht glauben.

Der Bote war sofort in unsere Welt zurück gekehrt und konnte deshalb nichts Genaueres berichten. Deshalb schickte mein Vater erneut Boten nach „SONSTWO“, um mehr über die seltsamen Vorgänge zu erfahren. Gleichzeitig schickte er auch Boten noch nach „NIERGENDWO“, einer weitere, mit uns befreundete Welt, um dem dortigen König von der drohenden Gefahr zu warnen.

Ich muss euch gestehen, das ich selbst nur diese drei Welten kenne. Mein „ANDERSWO“ liegt genau zwischen „NIERGENDWO“ und „SONSTWO“.

Doch die wenigen Boten, die von „SONSTWO“ zurück kehrten, brachten noch schlimmere Nachrichten mit.

Sie erzählten von einer riesigen Armee, die unaufhaltsam durch „SONSTWO“ zog und alles zerstörte, was ihnen in die Quere kam.

Aber das unheimliche war, das diese Armee aus den Bewohnern von „SONSTWO“ selbst bestand, die allesamt in Stein verwandelt worden waren. Überall dort, wo die Dunkelheit das Licht verdrängt hatte und die Menschen von den Schatten der ewigen Nacht berührt wurden, entstanden neue Steinsoldaten die sich unaufhaltsam auf das Portal zugbewegten. Sogar Kinder und alte Leute, ja selbst die Tiere wurden nicht von dem grausigen Zauber verschont.

Angeführt wurden sie von einem unheimlichen Ritter, der selbst aus völlig schwarzem Stein zu bestehen schien.

Sicher werdet ihr euch fragen, warum Steine sich bewegen können. aber ich kann nur sagen, das sie es tun.

Sie tun es zwar langsam, aber unaufhaltsam.

Zurück lassen sie eine Spur der Verwüstung und ihr Ziel ist ganz eindeutig das Portal, durch das man in unsere Welt gelangen kann.

 

Hier machte Dennis eine Pause und sah seine Freunde schweigend an. Irgendwie hatte er das Gefühl genau zu wissen wie das Portal, von dem  Marvin geschrieben hatte, aussehen könnte.

Er war sich ziemlich sicher, das die kleine Halle, die sie in der Höhle entdeckt hatten, genau so ein Portal war. Es war so zusagen eine Art Verbindung zwischen den Welten „SONSTWO“, „ANDERSWO“ und „NIERGENDWO“.

Aber wenn es so war, dann...

Hier wurde er von Dirk aus seinen Gedanken gerissen als dieser Fragte: „Woran denkst du gerade?“

Dennis erzählte nun den anderen, was er dachte und diese vermuteten, das er recht haben könnte.

„Eins verstehe ich aber nicht“. meldete sich Martin zu Wort. „Wenn ihr drei durch ein Portal in diese rückwärts  herum laufende Welt gekommen seid, in der wir uns grade befinden, durch was bin ich dann gegangen?“

„Das ist allerdings eine gute Frage nur leider weiß ich auch keine Antwort darauf!“ sagte Kesse, die grade dabei war ihre Haare, die sie seit dem gestrigen Bad offen getragen hatte, in zwei Zöpfe zu flechten.

Ihr missfiel der Gedanke, das der Steinige Ritter durchaus auch in ihre Welt kommen konnte. Vorausgesetzt, Dennis hatte mit seinen Gedanken, was das Portal betraf, recht. Er glaubte, das es genau sieben Welten geben musste.

Eine war ihre eigene, dann diese drei, von dem Marvin berichtete und schließlich noch jene, in der sie sich grade aufhielten.

Dann sagte sie: „So kommen wir nicht weiter. Ich glaube es ist besser wenn du jetzt weiter aus dem Buch vorliest!“

 

Und Dennis las weiter:

 

Auch die Boten aus „NIERGENDWO“ erzählten unheimliches.

Sie sprachen von einem „Mann in Schwarz“, der mit einem Rucksack aus Leder durch das Land zog.

Wie es hieß, sei der Unbekannte durch das Portal gekommen und auf der Suche nach Dingen, die wichtig seien.

Den Menschen erzählte er, das er schon in „SONSTWO“ gewesen sei und dort schon bekommen hatte, was er suchte.

Er drohte ihnen mit Unheil, das er ihre Welt vernichten würde, wenn sie ihn nicht gaben was er wollte.

Da die Menschen nicht wussten, was dieser, in einer schwarzen Kutte gehüllte „Mann in Schwarz“ eigentlich genau wollte, wiesen sie ihn dem Weg zum König von „NIERGENDWO“.

Der unheimliche Fremde bedrohte auch ihn und weil er sich nicht anders zu helfen wusste, gab er ihn das wertvollste was er besaß, etwas was er den Fremden niemals hätte geben dürfen, wie ich jetzt weiß. Er gab ihn den...

 

Hier unterbrach Dennis erneut und sah entgeistert auf Dirk, der sich fragend nach vorne beugte, als dieser ihn mit gerunzelter Stirn und leicht zusammen gekniffenen Augen anstarrte. „Er gab ihn was?“

„Er gab ihn den „Ohrring des Verstehens“! beendete nun Dennis den letzten Satz.

Dirk griff überrascht an sein linkes Ohr, in dem er den Ohrring trug und fragte dann: „Du meinst, das ich diesen Ohrring grade im Ohr habe?“

Also wenn du mich fragst, bin ich mir da sogar ganz sicher!“ sagte Dennis und zu Kesse gewannt meinte er: „Und dieser Rucksack, den der „Mann in Schwarz“ bei sich trug, das ist mit Sicherheit der gleiche, den du jetzt hast!“ Dabei deutete er auf den Lederrucksack, der neben Kesses Sessel stand.

Bei dem Gedanken, das ein Mann in Schwarzer Kutte diesen Rucksack einmal besessen hatte, lief ihr ein kalter Schauer über ihren Rücken.

Unsicher fragte sie in die Runde: „Aber wieso haben wir nun diese Dinge, ich meine, hat sie dieser schwarze Kuttenmensch verloren? Oder hat er sie möglicherweise zu uns gebracht, damit wir sie finden?“

Dirk schüttelte energisch seinen Kopf: „Das glaube ich allerdings nicht. Ich vermute, das dieser schwarze Kerl jemand ist, den wir bereits kennen, jemand der sich verwandeln kann und...“

Dennis unterbrach ihn: „Du meinst, der Steinige Ritter und der unheimliche Mann in schwarz sind ein und dieselbe Person?“

„Nun ja, von einer Person würde ich nicht gerade sprechen, eher von einem bösen Ungeheuer oder Zauberer! Ja, das glaube ich, aber vielleicht kann uns das Buch mehr darüber erzählen. – Lies einfach mal weiter!“

 

Dennis las nun weiter:

 

Doch als der „Mann in Schwarz“ hatte, was er wollte, verschwand er spurlos vor den Augen des Königs von „NIERGENDWO“.

Mein Vater hatte entsetzt dem Boten zugehört, glaubte er doch zu wissen, das der Fremde nun bald zu ihm kommen würde, um dann etwas zu verlangen was er niemals hergeben durfte.

Er rief nun alle weisen Männer zusammen, um eine Lösung für das drohende Unheil zu finden, doch auch sie waren Ratlos.

Einer schlug vor, das „Sehende Auge“ einfach zu verstecken. Ein anderer meinte, das man dem „Mann in Schwarz“ einfach nur täuschen müsste und ihm stattdessen irgendetwas wertloses überreichen sollte.

 

Diesmal war es Martin, der Dennis unterbrach. „Bis grade eben habe ich gedacht, das unser König von „ANDERSWO“ dieses Buch als wertvollsten Schatz besaß. Doch nun ist es ein „Sehendes Auge“. Ob Marvin eine Brille damit meinte?

Dirk sah interessiert zu ihm herüber und fragte dann: „Wie kommst du den auf eine Brille? Ich würde eher sagen, das er damit eine Kugel gemeint hat, eine wie sie die Wahrsager auf Jahrmärkten benutzen!“

„Na ja, es ist nur so, das ich..., also...“

„Also was, komm sag schon Martin. Wenn du eine Brille gefunden haben solltest ist das bestimmt wichtig für uns!“ sagte nun Dennis und sah ihn dabei forschend an.

Auch die anderen musterten ihn gespannt.

„Eigentlich ja, und dann auch wieder nicht.“ druckste Martin vor sich hin und war nun sichtlich nervös.

Hastig öffnete er den Käfig und nahm Florizwo heraus. Irgendwie war ihm die Sache recht peinlich, denn er hatte tatsächlich etwas gefunden, doch damals konnte er nichts damit anfangen und so hatte er das Fundstück achtlos wieder weggeworfen.

Erst jetzt, ausgelöst durch diese seltsame Geschichte aus Marvins Buch, kamen diese Erinnerungen wieder in ihm hoch.

Dennis hatte das Buch zugeklappt und sagte dann: „Ich denke, du solltest dich etwas genauer ausdrücken. Hast du nun etwas gefunden oder nicht?“

„OK, ja ich habe etwas gefunden doch habe ich es gleich wieder weggeworfen!“ gab ihn Martin schnell zur Antwort.

„Und was war es?“ forschte Kesse weiter.

„Es war ein...“ Irgendwie fand er nicht das richtige Wort dafür und sagte dann: „Ein Einauge, nein ein einzelnes Glas an einer Kette. Wie sagt man denn gleich dazu?“

„War es ein Monokel?“ half Kesse ihn weiter.

„Ja genau, es war ein Monokel!“

„Wann und wo war das? fragte Dirk.

„Ich glaube es war letztes Jahr in den Sommerferien. Ich war damals bei den Ferienspielen und unsere Betreuer hatten mit uns eine Nachtwanderung gemacht!“

Als Martin die Sommerferien erwähnte, sahen sich die Kinder überrascht an. Schließlich hatte Dennis zur gleichen Zeit seinen Ball gefunden. Deshalb sagte er zu Martin: „Ich glaube du musst uns alles ganz genau erzählen. So wie es aussieht, scheint das Monokel wichtig für uns zu sein!“

„Sollten wir nicht erst im Buch weiter lesen? Möglich das da noch mehr über das „Sehende Auge“ geschrieben steht.“ versuchte Martin abzulenken. Denn sollte er wirklich alles erzählen müssen, würden ihn seine neuen Freunde sicher auslachen, ja möglicherweise einen Feigling nennen. Das wollte er aber vermeiden.

„Ich denke du solltest uns lieber erst mal deine Geschichte erzählen!“ sagte Dirk und Dennis fügte hinzu: „Auf jeden Fall, denn Marvin hat doch geschrieben, das wir nicht vergessen sollen, das sein Buch der Schlüssel ist um aus dieser Rückwärts Welt zu verschwinden. Ein Schlüssel im übertragenen Sinn. Versteht ihr?“

„Nö!“ sagte Martin knapp.

„Es ist wie ein Rätsel, so zu sagen ein versteckter Hinweis. Und hat nicht unser Ball davon gesprochen, das wir in dieser Welt noch einen Gegenstand finden müssen? Also, ich bin mir sicher das dass Monokel ein weiteres Puzzleteil in unserem Abenteuer sein wird!“

„Dazu müssten wir es aber erst einmal finden!“ sagte Kesse.

„Eben drum. Also erzähle uns alles über diese Nachtwanderung!“ forderte ihn nun Dennis mit Nachdruck auf.

„Nur wenn ihr mir versprecht, mich nicht auszulachen!“

Sie versprachen es ihm und Martin erzählte nun, was er bei der Nachtwanderung im letzten Sommer erlebt hatte.

 

*

 

Es waren Martins ersten Ferienspiele gewesen und eigentlich gefielen sie ihm ganz gut.

Wenn nicht diese blöde Nachtwanderung gewesen wäre hätte er die drei Wochen nur mit dem Wort „Super“ umschreiben können.

Seine Betreuer hatten in der zweiten Woche eine Übernachtung in Zelten geplant. Zuvor wollten sie zur Grillhütte marschieren, um dort Würstchen zu grillen.

Von einer Nachtwanderung war überhaupt keine Rede gewesen und so freute er sich schon auf den Tag, besonders auf die Nacht in den Zelten.

Wer ein eigenes kleines Zelt besaß, konnte dieses mitbringen und wer keins hatte, schlief in einem der großen Gruppenzelte, die bereits auf einer Wiese in der Nähe vom Grillplatz aufgebaut worden waren.

Martin hatte ein kleines Zelt, in dem er mit seinem Freund Niels und dessen Bruder Stefan schlafen wollte. Soweit war alles in bester Ordnung.

Gegen sieben Uhr abends waren sie dann bei der Grillhütte und während die Betreuer sich um die Würstchen kümmerten, sammelten die Kinder Holz für ein großes Lagerfeuer.

Wie geplant wurde es auch bei Anbruch der Dunkelheit angezündet. Doch dann folgte der Teil den Martin und einigen anderen Kindern aus der Gruppe überhaupt nicht gefallen hatte.

Um kurz vor 23.00 Uhr überraschte Moritz, einer der beiden Betreuer die Kinder damit, das es nun zum Abschluss des Abends noch eine Nachtwanderung geben sollte.

Die meisten Kinder grölten zustimmend, doch einige, darunter auch Martin und Niels hatten alles andere als  Bock zu dieser spontanen Wanderung gehabt.

Deshalb protestierten sie lautstark, doch die Betreuer waren stur geblieben und so mussten sie sich der Mehrheit fügen.

Maulend trabten Niels und Martin der laut grölenden Gruppe hinterher. Ihr weg führte sie zunächst über die Feldwege Richtung „Christians Ruh“, einen Ort, an dem zwei Bänke standen und dann sollte es weiter durch den angrenzenden Wald gehen.

 

-6-

 

Weiter gehts mit SEITE 7!

 

START-1-2-3-4-5-6-7-8-9-10-11-12-13-14-15-16-17-18-19-20-21-22 - SAMSUDARA

 

 

© by Moritz W. Haus 2002/2003

 

Home - WitzeGeschichtenPuzzleZaubernRätselEcht WahrBoah EySpieleCheatsGifsSMS SprücheRezepteAnderswoGeheimschriftenGästebuchNewsÜber uns…Tür StoriesUnsere KatzenDas Geheimnis der Lego TürenFilme mit LegoKlüger als BetrügerWissen macht starkLego Welten

 

Zelda Komplett Lösungen: Twilight PrincessThe Wind WakerMayora`s Mask - Phantom HourglassOcarina of Time - OoT 3D Master Quest - Spirit TracksA Link to the PastThe Minish Cap - Skyward Sword