Das Geheimnis der Lego Türen

Online Roman für Kinder ab 12 Jahre

 

Von Moritz W. Haus (2009/2010)

 

 

Kapitel 5

Hinter den Mauern

 

 

Seite 9

Ein dunkles Grollen, gefolgt von einem heftigen Beben, durchzog die Grundmauern von DARK DAVID CASTLE und David hatte sichtlich Mühe, sich auf seinen Beinen zu halten. Beinahe hätte er die schwarze Flasche fallen gelassen, die er seinem Herr und Meister bringen sollte.

Er eilte einen langen Gang entlang, den er viel kürzer in Erinnerung hatte.

Der Boden, der eigentlich mit grauen Lego-Fliesen bedeckt sein sollte, hatte sich verändert. Schwarze Risse durchzogen jetzt den grauen Farbton der Platten, die nun immer mehr das Aussehen von kalten Marmorsteinen annahmen.

Obwohl er fast rannte, schien er nicht wirklich vorwärts zu kommen.

Durch den Gang dröhnte jetzt eine blecherne Stimme, die von überall gleichzeitig zu kommen schien und schaurig hohl von den dunklen Legomauern widerhallte.

„Wo bleibst du mit meinem kostbaren Schatz, du Menschenwurm!“

David bog jetzt in einen weiteren Gang ab und sah an dessen Ende eine schwarze Türe, von der er wusste, dass sie mit Sicherheit nicht in den Bauplänen der Festung, die er nach Anweisung von Dark David an seinem PC erstellen musste, vorgesehen war.

Er hastete auf diese Türe zu, doch mit jedem Schritt, den er tat, entfernte sich sein Ziel weiter von ihm weg. Schließlich blieb er atemlos stehen und schrie: „Höre endlich auf mit diesen Mist!“

Statt einer Antwort erfolgte nur ein böses Gelächter, welches sofort verstummte, als ein weiteres Beben die Festung erzittern lies. Als es verebbte, donnerte die Stimme von Dark David erneut durch die dunklen Mauern.

„Ich warte nur sehr ungern David! Also sieh zu, dass du her kommst!“

Der Junge rannte los und diesmal blieb die Tür vor ihm an Ort und Stelle, so dass er sie bald erreicht hatte.

Mit einem lauten Zischen öffnete sie sich und David trat ein.

Ein durchdringendes Summen, welches von einem riesigen Computer-Terminal ausging, das die ganze Breite der hinteren Wand einnahm, erfüllte den Raum. Davor stand Dark David, der ihn mit einem gehässigen Lachen empfing.

„Warum hat das so lange gedauert? herrschte ihn die schwarze Legofigur an, die jetzt um einiges größer war, als David selbst.

„Das Beben, da..., was passiert hier nur?“ stotterte David hilflos.

„Du weißt, was du getan hast oder etwa nicht?“ stellte Dark David eine Gegenfrage.

„Ich träume das alles hier, das ist nicht wirklich..., ich werde bald aufwachen und dann werde ich dich einfach vernichten!“ entfuhr es David, der tatsächlich glaubte, dass er sich in einen Albtraum befand.

„Ich muss dich leider enttäuschen, du Menschenwurm! Das hier ist die Wahrheit und kein Traum. Du bist jetzt ein Teil davon. Du wirst mir gehorsam dienen und mir helfen, diese grässlichen bunten Legowelten deiner Welt für immer und ewig meinem Imperium anzupassen oder wenn es notwendig sein sollte, auch zu vernichten!“

David schluckte. In seinen Kopf zuckte nur ein Gedanke. Er musste aufwachen, sofort. Doch der Albtraum endete nicht, denn Dark David fragte ihn jetzt erneut mit einem gemeinen Tonfall: „Also mein Junge, was hast du getan? Du weißt es doch noch, oder?“

David spürte, wie ihm der Schweiß ausbrach, als er langsam auf die schwarze Flasche in seinen Händen schaute. Er begann zu zittern, als ihm klar wurde, was sich darin befinden musste. Es konnte nur Kevin sein, sein eigener Stiefbruder. Doch sein Verstand weigerte sich, dies zu glauben.

Entsetzt rief er: „Das kann nicht sein, das ist nicht wahr...“

„Doch, es ist wahr!“ unterbrach ihn Dark David barsch. „Du hast es mit meiner Hilfe und Macht tatsächlich geschafft, deinen Bruder aus seiner Welt zu locken und in die unsrige zu bringen! In die Welt der schwarzen Steine!“

„Aber kein Mensch passt in eine Flasche hinein!“ entfuhr es David hilflos.

„Aber eine Seele schon! Du hast sie gerufen, weil ich es dir befohlen habe!“ brüllte Dark David und fing gehässig zu lachen an. Dann zischte er: „Los, gib mir die Flasche, damit ich es vollenden kann!“

„Was vollenden?“ krächzte David verstört, dessen feuchten Hände krampfhaft die Flasche festhielten, als ein erneutes Beben, das viel stärker zu sein schien als die vorherigen, den Boden wieder zum Schwanken brachte.

Dark David gab ihm keine Antwort und drückte stattdessen einen der unzähligen Knöpfe an seinem Computer-Terminal. Wie von Geisterhand öffnete sich jetzt mit einem sirrenden Geräusch der Boden in der Mitte des Raumes. Aus der entstandenen Lücke stieg langsam eine Art Tisch herauf, auf dem etwas lag, was mit einem großen schwarzen Tuch noch verhüllt war.

„Sieh her und staune!“ kreischte Dark David unter seinem schwarzen Helm hervor und riss dabei das Tuch von dem Tisch.

Fassungslos sah David auf eine kopflose Legofigur, die bewegungslos auf dem Tisch lag.

Doch etwas war anders. Er brauchte eine Weile, bevor er dies erkannte. Entsetzt stotterte er: „Das, das... sind doch die Anziehsachen von meinen Bruder. Aber...“

David verstummte, als sich der Boden neben dem Tisch erneut öffnete. Diesmal fuhr eine Säule summend aus dem entstandenen Loch herauf. Und obwohl das obere Ende mit einem ebenfalls schwarzen Tuch verhüllt war, wusste David sofort, was sich darunter befinden musste.

Instinktiv schloss er seine Augen als Dark David kommentarlos das Tuch von der Säule herunter ries.

„Sieh her David!“

„Nein, ich will ihn nicht sehen!“ schrie David und schüttelte energisch seinen Kopf.

„Du wirst es dir ansehen müssen, David.“ raunte Dark David in einem fast väterlichen Ton. „Oder möchtest du lieber, dass ich meinen Helm ausziehe und dir mein wahres Gesicht zeige! Möchtest du es wirklich noch einmal sehen?“

Der Gedanke daran, noch einmal dieses Grauen erleben zu müssen, erfüllte ihn mit panischer Angst. Deshalb riss er schnell seine Augen auf. Ungläubig sah er jetzt zu dem Sockel hinüber, auf dem tatsächlich der Kopf seines Bruders Kevin lag.

„Das, das ist doch kein Lego-Kopf!“ entfuhr es ihm mit blankem Entsetzen.

„Oh doch, es ist ein Lego-Kopf! Nur sagen wir mal, etwas weiter entwickelt. - Glaub mir, ich hätte deinen Bruder lieber als Menschen hier in mein Reich geholt. Er wäre mir als Mensch sicher nützlicher gewesen.

Doch unser Feind hat meine Pläne durchkreuzt, indem er mir die Türen gestohlen hat. Jene Türen, die eigentlich in die Mauerlücke von DARK DAVID CASTLE gehören. Hast du das etwa schon vergessen?“

David schüttelte seinen Kopf und sagte: „Du meinst, jeder Mensch könnte durch diese Türen hier in dein Reich gelangen?“

„Nicht jeder Mensch kann das, aber einige schon. Sie müssen nur genug Phantasie besitzen und eine entsprechende Begabung haben. Dann könnten sie hier eindringen.

Kevin besitzt beides und es wäre ein Kinderspiel gewesen, ihn durch diese Türen zu bringen. Anschließend hätte ich die Türen für immer vernichtet und niemand hätte mich dann noch aufhalten können!“

„Aber wieso bin ich hier? Warum bin ich ein Mensch und keine Legofigur?“ wollte David wissen, der immer noch hoffte, dass dies alles nichts weiter als ein böser Traum war.

„Du, mein lieber, böser David, bist etwas ganz Besonderes. Denn du trägst das Böse tief in dir verborgen und ich musste dich nur noch daran erinnern. Es sozusagen aufwecken!“

„Das ist nicht wahr, du lügst!“ schrie David verzweifelt. „Ich bin nicht böse, nein, ganz bestimmt nicht. Du hast mich mit deiner teuflischen Macht dazu gezwungen, Kevin mit meinen Rufen zu quälen!“

Dark David hatte inzwischen Kevins Kopf, dessen Augen geschlossen waren, von der Säule gehoben und auf den noch immer leblosen Lego-Körper gesteckt. Dann fuhr er herum und zischte böse: „Das reicht jetzt, David! Füge dich deinem Schicksal und gib mir endlich die Flasche!“

David heulte vor Wut und Machtlosigkeit auf und hob drohend die Flasche über seinen Kopf. Dabei bewegte er sich langsam rückwärtsgehend auf die Tür zu, von der er hoffte, dass diese nicht verschlossen war.

In seinem Kopf überschlugen sich die Gedanken. Er fragte sich, was mit Kevin passiert war. Hatte er ihn durch sein Rufen und Locken in den Wahnsinn getrieben und ihn möglicherweise dadurch sogar umgebracht?

Der letzte Gedanke traf ihn wie ein Schock und deshalb schrie er voller Angst: „Was ist mit Kevin in meiner Welt passiert? Lebt er noch?“

Dark David verlor langsam die Geduld und zückte mit einer kaum wahrnehmbaren Bewegung sein Laserschwert, das sofort mit einem zischenden Geräusch rotglühend die Luft durchschnitt. Dann sagte er drohend: „Meine Geduld ist gleich zu Ende. Wenn du mir nicht augenblicklich Kevins Seele gibst, wirst du sterben müssen, David!“

 

Einer inneren Eingebung folgend, griff David jetzt mit der linken Hand zu dem Korken, mit welchem er die Flasche verschlossen hatte, als Kevins Seele in einem hell leuchtenden Lichtstrahl in sie hinein gefahren war. Allerdings hatte er da noch nicht geahnt, was er da genau eingefangen hatte. Jetzt wusste er es.

Deshalb sagte er, wobei er versuchte, seine Angst zu unterdrücken: „Was wohl passieren wird, wenn ich seine Seele jetzt einfach wieder frei lasse würde! Könnte er dann zurück kehren? Zurück in meine Welt und in seinen eigenen Körper?“

„Das wirst du nicht wagen!“ brauste Dark David auf und machte drohend einen Schritt auf den Jungen zu. Dieser trat schnell einen weiteren Schritt zurück und stieß mit seinem Rücken gegen die Tür. Zu seinem Entsetzen blieb diese verschlossen. Er saß also in der Falle.

Doch dann erklang eine Stimme in seinem Kopf, die er nur allzu gut kannte. „Gib ihm schon die Flasche, er wird dich sonst töten. Ich will dich nicht verlieren!

„Aber wie kannst du in meinem Kopf mit mir reden?“ fragte David nur in seinen Gedanken.

Kevins Stimme ging nicht auf diese Frage ein, sondern sagte eindringlich: „Ich lebe, mein Körper liegt nur in einem Wachkoma! - Bitte David, mache jetzt keine Dummheiten. Wir werden schon einen Weg finden, zu entkommen! Vertrau mir einfach. Und glaub mir, ich bin auch nicht böse auf dich. Auch wenn die letzte Zeit die Hölle für mich gewesen ist. Du trägst keine Schuld an all dem, was passiert ist. Das weiß ich jetzt. Also gib ihm endlich meine Seele. Schnell!“

Dieser Gedankenaustausch hatte nur wenige Sekunden gedauert und David musste sich schnell entscheiden und das Richtige tun.

Hatte gerade wirklich sein Bruder zu ihm gesprochen oder hatte Dark David erneut seine dunkle Macht eingesetzt, um ihn zu täuschen?

Langsam senkte er seine Arme und sagte dann laut: „Ich habe wohl keine andere Wahl, oder?“

„Du kannst frei wählen, David. Dein Leben gegen Kevins Seele. Ich finde, das ist ein fairer Tausch!“ sagte Dark David, der jetzt siegessicher sein Laserschwert zurück in seinen Gürtel steckte.

Langsam und mit einem unguten Gefühl im Magen überreichte David ihm die schwarze Flasche.

 

 

 

 

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Kapitel 1: Der FlohmarktKapitel 2: Timos Zimmer  Kapitel 3: Yoda`s Wunsch Kapitel 4: Kevins Geschichte Kapitel 5: Hinter den Mauern Kapitel 6: Albträume Kapitel 7: Die andere Seite Kapitel 8: Niemandsland

 

© by Moritz W. Haus 2009/2013

 

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