Das Geheimnis der Lego Türen
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Roman für Kinder ab 12 Jahre
Von Moritz
W. Haus (2009/2013)
Kapitel
4
Kevins Geschichte
Seite
5
Timo starte Fassungslos auf den Inhalt des Kartons,
der bis zum Rand mit Legosteinen aller Art gefüllt war. Aber das war es nicht,
was den Jungen etwas aus der Fassung brachte. Schließlich hatte er ja nichts
anderes erwartet als Legosteine. Doch mit einem Briefumschlag, der ganz
unmissverständlich an „Timo und Tim“ adressiert war; damit hatte er nicht
gerechnet.
Tim erging es nicht viel fiel besser und fragte
verblüfft: „Wie hat er das nur angestellt? Ich meine wie konnte er unsere Namen
wissen?“
„Wen meinst du denn?“ erkundigte sich Timo, der
nachdenklich den dicken DIN A 5 Umschlag in seinen Händen hielt und ihn von
allen Seiten musterte. Aber außer ihren Vornamen konnte er nichts weiter
entdecken.
„Na der alte Mann vom Flohmarkt, wen sollte ich
denn sonst meinen!“
Timo schwieg und legte den Umschlag ohne ihn zu
öffnen beiseite und wandte sich dann den Inhalt der Kiste zu.
Tim stand auf, ergriff den Umschlag und rief
beschwörend: „Ich glaube, dass der Inhalt des Briefes jetzt wichtiger ist, als
das Lego in diesen Karton!“
„Ach komm schon, hör auf damit. Da sind bestimmt
nur Baupläne drin!“ sagte Timo, dem der Umschlag sichtlich Unbehagen bereitete.
Viel wichtiger waren für ihn die Legosteine, die
ihn irgendwie magisch anzogen. Mit glänzenden Augen beugte er sich über den
geöffneten Karton und tauchte dann seine Hände in ihn hinein und begann
vorsichtig in den Steinen herum zu wühlen. Dabei lächelte er verzückt und
flüsterte dann: „Ich fasse es nicht, das gibt es doch gar nicht. So etwas habe
ich noch nie gesehen...“
Timo wühlte jetzt immer schneller und tiefer in den
Legosteinen herum und kicherte irre vor sich hin: „Sieh dir das nur an! Es sind
nur schwarze, graue und hellgraue Legosteine...“
Tim hatte sich auf das untere Bett gesetzt und sah
etwas ratlos zu Timo hinüber, dessen Gekicher jetzt in ein leises und gemeines
lachen übergegangen war. Inzwischen schaufelte er mit beiden Händen die Legos
aus dem Karton heraus und lies sie über seinen Kopf einfach fallen. Dabei rief
er gehässig: „Mit euch werde ich etwas bauen, etwas sehr böses...!“
Entsetzt sprang Tim auf und schrie: „Das reicht
jetzt Timo! Hast du den Verstand verloren?“
Doch Timo reagierte überhaupt nicht. Stattdessen
begann er jetzt wild um den geöffneten Karton herum zu tanzen. Dabei kreischte
er: „Oh Ja, etwas sehr, sehr böses werde ich bauen. Etwas was mich zum dunklen
Herrscher aller Legowelten machen wird und dann...“ Seine Worte gingen in einem
grausigen Gelächter unter, während er sich jetzt einfach mit voller Wucht in
den Legokarton fallen ließ. Der Karton hielt dem Aufprall seines Körpers nicht
stand und platzte deshalb explosionsartig auseinander. Etliche Legosteine
flogen wie Geschosse durch den Raum und Tim wusste, dass er jetzt handeln
musste.
Er stürzte sich auf seinen Freund, packte ihn mit
der linken Hand an seinem Schlafanzug Oberteil und zog ihn aus den Legosteinen
heraus. Gleichzeitig verpasste er ihn mit seiner rechten Hand eine schallende
Ohrfeige.
Das wirkte. Schlagartig verstummte der Junge und
sah sich benommen um.
„Was, was ist hier nur passiert“ stotterte Timo
verwirrt und deutete dabei auf dem Boden der mit unendlich vielen Legosteinen
bedeckt war.
„Das warst du!“
„Echt?“ fragte Timo verblüfft und schüttelte
ungläubig seinen Kopf.
„Ja du hast das Chaos hier angerichtet und glaub mir,
du hast mir richtig Angst gemacht mit dem was du da von dir gegeben hast!“
sagte Tim ernst. Mit wenigen Worten erzählte er jetzt, was er gesehen und
gehört hatte. Schließlich schloss er mit den Worten: „Und bist du jetzt bereit,
den Umschlag zu öffnen?“
Timo nickte nur und griff Wortlos nach dem
Umschlag, den Tim ihm entgegen hielt. Nachdenklich drehte er ihn in mehrmals in
seinen Händen bevor er ihn schließlich entschlossen auf riss.
Eigentlich hatte er Baupläne erwartet, doch was er
schließlich in den Händen hielt war ein kleines, abgenutztes Din A5 Schulheft
und ein kleiner weißer Zettel.
Laut las Timo die Worte vor, die kunstvoll auf dem
Zettel geschrieben standen: „Bitte lest erst die Geschichte von meinem Enkel,
bevor ihr den anderen Karton öffnet!“
Timo legte den Zettel beiseite und wandte sich
jetzt dem kleinen, blauen Heft zu. Mit einer leicht krakeligen Schrift hatte
jemand „Kevins Angst Geschichte“ in das Beschriftungsfeld des Heftes
geschrieben.
„Wer zum Teufel ist dieser Kevin?“ flüsterte Timo
ratlos und starrte wie ein Hypnotisiertes Kaninchen auf das Heft.
„Wenn wir es nicht lesen, werden wir es nie
erfahren!“ entfuhr es Tim ungeduldig.
„Aber irgendwie mag ich jetzt keine
Gruselgeschichten lesen und der Titel dieses Heftes hört sich genau nach einer
solchen Geschichte an!“
Tim entriss ihm etwas verärgert das Heft und sagte:
„Kevin scheint in der Tat der Enkel von deiner Flohmarkt Bekanntschaft zu sein.
Was sagte der alte Mann noch gleich zu Dir über seinen Enkel?“
Timo kniff seine Augen zusammen und überlegte kurz
bevor er Antwortete: „Das sein Enkel dort, wo er jetzt ist, kein Lego mehr
braucht!“
Tim bekam eine Gänsehaut und flüsterte furchtsam:
„Dieser Ort könnte ein Friedhof sein!“
Timo holte tief Luft und stöhnte: „Jetzt bist du
es, der mir Angst macht. Wie kommst du denn darauf, dass dieser Kevin tot sein
könnte und auf einem Friedhof begraben liegt?“
„Ich weiß nicht. Welche Orte fallen dir denn so
spontan ein, ich meine Orte an denen man sein Spielzeug, wie zum Beispiel Lego,
nicht mehr gebrauchen kann?“
Timo wusste es nicht und deshalb deutete er auf das
Heft und sagte: „Na los, fange einfach an und lies vor was unser unbekannter
Freund geschrieben hat!“
Tim schlug die erste Seite auf und begann zu lesen:
Ich
bin Kevin und heute am 11.7.2008 habe ich Geburtstag. Ich bin jetzt 12 Jahre
alt. Eigentlich sollte ich mich freuen doch das tue ich nicht.
Ich
habe Angst, wirkliche Angst. Angst vor David, meinem Stiefbruder, der zwei
Jahre älter ist als ich.
Vor
gut einen Monat ist er spurlos verschwunden und keiner weiß, wo er sich jetzt
aufhält. Trotz groß angelegten Suchaktionen von Polizei, Radio und Fernsehen
fand sich bis heute keine Spur von ihm. Und doch, obwohl er nicht mehr da ist
kann ich ihn hören. Nacht für Nacht und Tag für Tag. Er ruft nach mir, will das ich zu ihn komme und mich meinem Schicksal füge. Diese
Rufe und Schreie machen mir Angst, doch keiner will mir glauben.
Deshalb
schreibe ich jetzt meine Angst Geschichte in dieses Heft. Denn ich glaube, das der dunkle David mich bald holen kommt, sehr bald sogar.
Alles
begann vor etwa zwei Jahren.
Damals,
als meine Mutter Davids Vater Heiratete und wir eine Familie wurden, war alles
in Ordnung. Ich hatte endlich einen großen Bruder, der mit mir auch spielte.
Genau wie ich liebte er Lego und davon hatten wir beide mehr als genug.
Zusammen
bauten wir stundenlang unsere Fantasy Welten auf und spielten damit, bis wir
wieder andere Ideen hatten und wieder neues bauten. Mal waren wir Piraten, dann
wieder Ritter. Es war eine schöne Zeit.
Doch
eines Tages veränderte sich David...
An dieser Stelle unterbrach ihn Timo und sagte:
„Glaubst du, das es wirklich wahr ist was er da geschrieben hat? Ich meine,
vielleicht hatte dieser Kevin ja nur so eine Gruselgeschichte geschrieben!“
Tim sah ihn etwas ratlos an und antwortete gedehnt:
„Nach allem, was wir beide bis jetzt zusammen erlebt haben muss diese
Geschichte wahr sein. Eine Geschichte in der Lego eine Rolle spielt. Dasselbe
Lego, das jetzt dir gehört!“
Timo schluckte kurz und murmelte: „Lies weiter
bitte!“
...Doch
eines Tages veränderte sich David. Es war vor etwa einem halben Jahr, als er
auf der Straße etwas fand, was alles veränderte.
Er
fand eine Legofigur, von der er so fasziniert war, das er eine ganze Woche lang
kaum noch ansprechbar war.
Auf
dem ersten Blick sah diese Figur aus wie „Darth Vader“, der dunkle Lord der Lego Star Wars
Saga. Wie dieser, trug die Figur einen schwarzen Umhang und einen ebenso
schwarzen Helm.
Doch
wie ich schon sagte sah es nur so aus, als wäre es eine Legofigur von Darth Vader.
Die
Wirklichkeit erfuhr ich schon in der nächsten Nacht.
Irgend ein Geräusch hatte mich geweckt und gerade als ich mich aufrichten
wollte um Licht zu machen hörte ich diese boshafte Stimme. Sie sagte: „So wird
es sein oh Dark David, Herrscher aller Legowelten!“
Und
obwohl die Stimme so böse und so fremd klang, wusste ich sofort, dass mein
Stiefbruder selbst diese Worte aus gesprochen hatte.
Wie
gelähmt blieb ich liegen und rührte mich nicht. Vor Angst konnte ich kaum noch Atmen.
Doch als ich das sirrende Geräusch hörte, das aus der Richtung kam, in der
Davids Bett stand, riss ich meine Augen auf. Deutlich konnte ich das rote
glühen sehen, das sich sehr schnell über Davids Bett
hin und her bewegte und sofort musste ich an einen kämpfenden Jedi Ritter
denken, der dort durch die Luft rauschte.
Doch
das schlimmste stand mir noch bevor denn als ich endlich meine Angst überwand
und mich aufrichtete und nach dem Lichtschalter meiner Nachttischlampe greifen
wollte, erschienen auf Davids Bett aus dem nichts heraus ein Rotglühendes
Augenpaar. Es waren Davids Augen die dort böse zu mir herüber glühten.
Wieder
erstarrte ich vor Angst und dann hörte ich erneut seine boshaft klingende
Stimme: „Ab heute bin ich Dark David und DU kleiner Bastard von Kevin, wirst
mir dabei helfen mein dunkles Imperium Aufzubauen!“
Seine
Augen, seine Stimme und die gemeinen Worte die er zu mir sprach waren schon
schlimm genug, doch das höhnische Gelächter, das gleichzeitig ertönte raubte
mir fast die Sinne.
Heulend
vor Wut und Angst schrie ich ihn an: „David, ich bin doch dein Bruder! Hör auf
mir Angst zu machen, bitte!“
Doch
diesen Gefallen tat er mir nicht. Die nächsten Tage und Wochen wurden zur Hölle
für mich. Es war die reinste Legohölle.
Tim sah auf und blätterte dann eine Seite weiter.
Gerade wollte er weiter lesen doch Timo, dessen Gesicht ganz bleich geworden
war rief: „Warte!“
„Was ist los? Ist dir schlecht?“ fragte Tim besorgt
doch Timo schüttelte energisch seinen Kopf, so dass seine langen blonden Haare
wild herum flogen.
„Ich will diese Legosteine nicht lose in meinem
Zimmer herum liegen haben. Sie machen mir Angst weil...“ Timo brach ab und
stürzte aus dem Zimmer und kehrte keine 10 Sekunden später mit zwei großen und
leeren Plastikboxen wieder zurück.
Tim war aufgestanden und schaute besorgt zu, wie
sein Freund hastig damit anfing, alle Legosteine aus dem Zerborstenen Karton
einzusammeln und sie dann in die Plastikboxen warf.
„Weil was Timo?“ fragte Tim, der sie jetzt
ebenfalls niederlies und seinem Freund beim aufräumen half.
„Diese Steine, sie sind böse. Ich möchte nicht,
dass meine Legos mit diesen Steinen von Dark David in Berührung kommen. Das
böse könnte überspringen und...“
„Du glaubst, das dieser
David in diesen Steinen steckt?“ unterbrach ihn Tim erschüttert.
Timo nickte nur. Schweigend räumten sie alle Steine
in die Boxen und erst als Timo sie mit Deckeln verschlossen hatte, meinte er:
„So geht’s mir schon besser! Jetzt kannst du weiter lesen!“
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Kapitel 1: Der Flohmarkt – Kapitel 2: Timos Zimmer – Kapitel 3: Yoda`s Wunsch – Kapitel 4: Kevins Geschichte
– Kapitel 5: Hinter den Mauern
– Kapitel 6: Albträume
– Kapitel 7: Die andere Seite
© by Moritz W. Haus 2009/2013
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