Das Geheimnis der Lego Türen
Von Moritz W. Haus (2009/2010)
Seite 7
Eine Stimme, die seinen Namen rief, weckte Timo aus einem kurzen
und Traumlosen Schlaf.
„Timo?“ wiederholte Moritz und stieß den Jungen an dessen Schulter
bis dieser endlich seine blauen Augen öffnete.
„Was ist denn los?“ gähnte Timo und streckte sich.
„Das wollte ich dich gerade fragen. Ich komme mit guten
Nachrichten nach Hause und ihr beide seid am pennen!“
„Gute Nachrichten?“ ertönte Tims Stimme aufgeregt aus dem unteren
Bett heraus. „Darf ich hier bleiben, hier bei euch, bei Timo und...“
Moritz unterbrach den Jungen, der inzwischen aus dem Bett
gesprungen war und meinte: „Ja, vorerst schon. Allerdings gibt es da noch
einiges zu bereden. – Eigentlich wollte ich jetzt erst mal mit euch zu Mc Donalds fahren und danach könnten wir dann in Ruhe
darüber reden. Ihr müsst doch hungrig sein, oder?“
Die Blicke der beiden Jungen trafen sich und ohne ein Wort zu
sprechen schüttelten beide energisch die Köpfe.
„Was denn? Kein Hunger? wunderte sich Moritz und schüttelte ratlos
den Kopf.
„Doch, doch!“ rief Timo laut. „Aber ich hätte lieber Lust auf
Pizza, du doch auch Tim oder?“ Dabei zwinkerte er seinen Freund unauffällig zu.
Dieser nickte darauf eifrig mit dem Kopf.
Moritz sah auf die Legouhr an der Wand
und sagte dann: „Aber der Pizza-Flitzer liefert erst ab sechs Uhr. Haltet ihr
das denn solange noch aus?“
Einträchtig nickten beide.
„Na schön, abgemacht. – Und welche Pizza soll es denn sein meine
Herren?“
Fast gleichzeitig riefen beide: „Pizza Calzone!“
„Also gut!“ sagte Moritz und wandte sich zum gehen. An der Tür
blieb er aber noch einmal stehen und sagte zu Tim: „Also wir haben noch ein
zweites Kinderzimmer. Na ja, zurzeit ist es mein Arbeitszimmer und Timos
Legolager. Was ich dich fragen wollte, ich meine möchtest du lieber ein eigenes
Zimmer? Dann würde ich es jetzt für dich etwas herrichten und...“
„Nicht nötig Mo!“ unterbrach ihn Timo bestimmt.
„Ich hatte aber Tim gefragt und nicht dich!“ antwortete Moritz
etwas unwirsch und sah Tim fragend an.
„Also wenn ich darf würde ich schon gern bei Timo wohnen solange
ich hier bin!“
„OK, in Ordnung. Also bis später ihr zwei!“
Moritz verließ das Zimmer und schloss die Tür.
Die Jungs grinsten sich an und dann sagte Timo erleichtert: „Ich
glaube wir beide sind ein gutes Team. Irgendwie auf der gleichen Welle. Nicht
auszudenken was Mo gemacht hätte wenn du oder ich mich verplappert
hätten. Ich meine die Sache mit dem Lego, Kevins Geschichte und so!“
„Denkst du, er würde dich dann zurück bringen in diese Kinder
Psychiatrie, in der du früher einmal warst?“
Timo dachte kurz darüber nach und schüttelte dann den Kopf: „Nein
bestimmt nicht. Aber ich denke es würde unsere Mission gefährden, wenn jemand anderes
davon erfährt oder was meinst du.“
Tim schwieg, nahm Kevins Heft in seine Hände und suchte etwas
umständlich nach der Stelle, an der er aufgehört hatte zu lesen. Als er sie
endlich gefunden hatte sah er auf und antwortete: „Ich denke, du hast recht. So
wie es aussieht werden wir beide wohl diesen Kevin finden und retten müssen!“
Timo nickte, wies dann auf das Heft und flüsterte: „Lies bitte
weiter. Auch wenn es gruselig ist, ich platze vor Neugier!“
Und Tim las weiter:
Als ich
wieder zu mir kam lag ich auf meinem Bett und David saß am Fußende meines
Bettes. In seinen Händen hielt er einen Stapel Papier und ohne das er es mir sagen musste, wusste ich das dies nur der
Fertige Bauplan sein konnte. Ein Bauplan für etwas, das böser nicht sein kann.
David
grinste mich gehässig an und sagte: „Da du es nicht fertig bringst die bunten
Legos umzutauschen, werde ich es wohl selber machen müssen! In der Zwischenzeit
wirst du damit anfangen das hier zu bauen!“
Mit
einem irren Gelächter stand er auf und zeigte in eine freigeräumte Zimmerecke
neben seinem Bett.
Dann
schnappte er sich die Tüten mit den bunten Steinen und verließ das Zimmer.
Erleichtert
darüber, dass ich endlich alleine war nahm ich seinen Bauplan, der über 150 DIN
A4 Seiten umfasste und mit einem Schnellhefter zusammen gehalten wurde und warf
einen Blick auf das Deckblatt. Was ich sah war das Bild von einer gigantischen
Legofestung, die alleine von ihrer äußerlichen Erscheinung mehr als nur
bedrohlich auf mich wirkte. Auch der Name dieser Festung verhieß nichts Gutes:
DARK
DAVID CASTLE.
Wütend
stand ich auf, ging hinüber zu Davids Bett und warf zornig Davids Bauplan in
jene Ecke, in der ich seine unheimliche Festung bauen sollte. Wenigstens
versuchte ich es. Doch was dann geschah lies mir fasst das Blut in den Adern
gefrieren.
Anstatt
auf den Boden zufallen blieb der Bauplan einfach in der Luft hängen, gerade so
als würde man einen Film anhalten. Aber das schlimmste war diese unheimliche
Stimme, die aus der Zimmerecke zu mir sprach. Sie sagte nur: „Du musst es bauen
und du wirst es bauen Kevin!“
Entsetzt
lies ich mich auf meine Knie hinunter und dann sah ich
Davids schwarze Legofigur, die direkt unter dem noch immer in der Luft
hängenden Bauplan auf dem Teppichboden stand.
Wäre sie
doch nur einfach so dagestanden, bewegungslos und stumm, dann hätte ich sicher
nicht vor Angst mit meinen Zähnen geklappert.
Doch was
ich sah war eine lebendige Legofigur, die jetzt ihre erhobenen Arme langsam
sengte. Gleichzeitig schwebte der Bauplan zu Boden und blieb vor meinen Knien
liegen.
Und dann
sprang Davids Legofigur auf das Deckblatt und schrie mit blechernen holen
Tonfall zu mir hinauf: „Ich bin DARK DAVID und das unter meinen Füssen ist der
Anfang für mein dunkles Reich. Du hast die Ehre es für mich zu erbauen!“
Was dann
geschah weiß ich nur noch wage. Ich erinnere mich, das
ich baute, wann immer die Zeit dafür da war. Es war ein wahrer Alptraum, denn
es gibt nichts Schlimmeres für mich, als nach Bauplänen Lego zu bauen.
David
schafte immer wieder neue farblich passende Steine heran. Nur schwarze,
dunkelgraue und hellgraue. Woher er sie bekam weiß ich nicht.
Wann
immer mein Stiefbruder unterwegs war, ließ er seinen DARK DAVID als Wächter bei
mir zurück.
Und dann
endlich nach 4 Wochen hatte ich es geschafft. Bis auf einer kleinen Lücke in
der Mauer im unteren Teil der mächtigen Festung, die irgendwie nicht dorthin
passte, ragte DRAK DAVID CASTLE düster und drohend vor mir in die Höhe.
Davids
Augen glänzten verzückt. Dann nahm er seine DARK DAVID Figur und setzte sie vor
der Festung ab und sagte mit einer Stimme, die nicht von dieser Welt sein
konnte: „Es ist vollbracht mein Meister, Herrscher aller Legowelten und Meister
der dunklen Steine!“
Ich
konnte nur bewegungslos da stehen und musste mit ansehen, was dann Geschah.
Die DARK
DAVID Figur erwachte erneut zum Leben und diesmal war es nicht ich, den er
bedrohte sondern meinen Bruder.
Mit
einer unglaublichen Geschwindigkeit sprang DARK DAVID in die Luft, schlug
mehrere Saltos und landete direkt vor der Lücke in der Mauer. Aus dem nichts
heraus erschien ein rot Leuchtenes Laserschwert, das er wütend durch die Luft
zischen lies. Dabei schrie er: „Was ist das David! Warum ist hier ein Loch in
meiner Festung?“
David
kniete sich nieder und erst da bemerkte er das Loch in der Mauer. Unbeholfen
wies er auf mich und stotterte: „Das war Kevin, der hat das verbockt. Er
hat...“
DARK
DAVID unterbrach ihn und schwebte dann hinauf, direkt vor Davids Gesicht und
donnerte: „Er hat es gebaut, aber du hast die Pläne gemacht. Nach meinen
Anweisungen! – Ist es nicht so David!“
Statt
eine Antwort zu geben zischte mich David böse an und verlangte nach dem
Bauplan. Ich gab ihn den Plan und unbeholfen blätterte
er mit zitternden Händen darin herum. Endlich fand er die Seite die er suchte und
rief entsetzt: „Aber das verstehe ich nicht?“
„Was
verstehst du nicht David?“ säuselte DARK DAVID in einem Tonfall, der nichts
Gutes verriet.
„Ich
weiß genau das dort zwei Türen hingehören aber der
Drucker hat diese Stelle nicht ausgedruckt, bitte oh Meister der dunklen
Steine...“
„Spar
dir deine Worte und beweise es mir!“ zischte DARK DAVID böse und flog noch mit
immer gezücktem Laserschwert quer durch das Zimmer und landete dann auf Davids
Schreibtisch.
Unbeholfen
taumelte David hinüber zu seinem PC und rief das Programm auf mit dem er den
Bauplan erstellt hatte. Diesmal fand er die gesuchte Seite im Programm
schneller, als in der gedruckten Version und deutete dann auf den Monitor und
rief erleichtert: „Da, siehst du es? Dort sind die beiden Türen!“
Tim sah auf und Timo, der eine Gänsehaut bekommen hatte flüsterte:
„Und ich gehe jede Wette ein, das diese beiden Türen Grau sind und sich jetzt
in meinem Besitz befinden.“
Tim nickte nur und las dann weiter:
An das,
was dann geschah, kann ich mich nicht mehr genau erinnern. Das letzte was ich
sah, war ein greller Lichtblitz und dann muss ich wohl mein Bewusstsein
verloren haben.
Als ich
wieder zu mir kam, war Davids PC noch eingeschaltet doch er selbst war, samt
seiner Teuflischen Lego Figur verschwunden.
Und
damit komme ich wieder zum Anfang meiner Geschichte, die keine erfundene
Geschichte ist sondern die Wahrheit. Ich wünschte, das alles wäre ein Traum.
Doch es ist kein Traum.
Zu
deutlich kann ich David hören, wie er nach mir ruft. Jeden Tag und jede Nacht.
Ich habe
versucht, meiner Mutter alles zu erzählen, doch ich konnte nicht.
Ich
wollte DARK DAVID CASTLE zerstören und jeden einzelnen Stein verbrennen,
irgendwo draußen im Wald.
Aber ich
konnte es nicht.
Und so
werde ich mir auch heute Nacht diese bösen Rufe von DARK DAVID anhören müssen
die aus seiner Festung kommen. Aus DARK DAVID CASTEL...
Bald
wird er mich hohlen. Ich weiß es und habe Angst...
*
-7-
Seite: 1–2–3–4–5–6–7–8–9-10-11-12-13...
Kapitel
1: Der Flohmarkt – Kapitel
2: Timos Zimmer – Kapitel
3: Yoda`s Wunsch – Kapitel
4: Kevins Geschichte
– Kapitel 5: Hinter den Mauern
– Kapitel 6: Albträume
© by Moritz W. Haus 2009/2010
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