Das Geheimnis der Lego Türen
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Roman für Kinder ab 12 Jahre
Von Moritz
W. Haus (2009/2013)
Kapitel
3
Yoda‘s Wunsch
Seite
3
Langsam bog Tim mit seinem Rad
in die Straße ab, in der sein neuer Freund wohnte.
Gestern noch hatte er sich
riesig darauf gefreut mit Timo zusammen den Inhalt der beiden Kartons zu
erforschen. Doch über Nacht war diese Freude völlig aus dem Jungen
verschwunden. Wut und Hass beherrschten seine Gedanken und ein Gefühl der
Hilflosigkeit hatte sich in ihm breit gemacht.
Tim befand sich auf der Flucht
und würde, so hoffte er, niemals wieder in das Haus seiner Tante zurück kehren
müssen.
Mit Schaudern dachte er an sein
gestriges Erlebnis zurück, das er mit ihr gehabt hatte. Eines, von vielen in
der letzten Zeit.
Inzwischen war der Junge vor dem
großen Mietshaus angekommen und stieg nun langsam von seinem Fahrrad ab. Dabei
verzog er schmerzhaft das Gesicht und schrie leise auf: „Oh Verdammt!“
Tränen der Wut und Schmerzen
rannen stumm über sein mit Sommersprossen überzogenes Gesicht, als er auf seine
Uhr blickte. Es war gerade einmal 9 Uhr, zu früh um bei Timo zu schellen,
erwartete dieser ihn doch erst eine Stunde später.
Mit schmerzverzerrtem Gesicht
zog Tim jetzt seinen Rucksack von seinen Schultern, öffnete diesen und holte
seinen Nintendo DS heraus. Dann setzte er sich auf seinem Rucksack, in dem er
heute Früh hastig ein paar Kleidungsstücke gepackt hatte und schaltete das
Gerät ein.
Kurz darauf erklang die Melodie
zu Lego Star Wars aus den beiden kleinen
Lautsprechern.
Zwar hatte er das ganze Spiel
schon durchgespielt, doch gab es noch reichlich zu tun. Für Tim war ein Spiel
erst dann komplett, wenn er alle Items gefunden und alle möglichen Punkte, die
man holen konnte, auch erreicht hatte.
Zurzeit versuchte er im jeden Level
ein „Wahrer Jedi Meister“ zu werden. Das konnte er nur dadurch erreichen, in
dem er bis zu 100% Münzen ein sammelte. Diese lagen entweder mitten auf seinem
Weg herum oder wurden freigesetzt, wenn er Feinde besiegte. Zusätzlich konnte
er noch mit seinen Waffen alles Mögliche zertrümmern, was ihm wiederum weitere
Münzen ein brachte.
Schnell hatte er sich durch das
Menü geklickt und mit Yoda als Spielfigur betrat er
dann den nächsten Level.
Yoda watschelte mit greisen Schritten,
gestützt auf seinen braunen Krückstock, über den kleinen Bildschirm.
„So, Schluss mit dem
Spaziergang!“ sagte Tim laut und drückte die Taste, mit der Yoda
sein Laserschwert ziehen sollte. Doch nichts dergleichen geschah. Tim
wiederholte die Aktion, doch Yoda dachte nicht daran
sein Schwert zu ziehen. Stattdessen drehte er sich um und blickte Tim direkt in
die noch leicht mit Tränen verhangenen Augen. Dann schüttelte er bedächtig
seinen grünen Kopf und sagte: „Jetzt nicht die Zeit ist, um Spielchen zu
spielen!“
„Hey, du redest ja wie Yoda!“ entfuhr es Tim überrascht, der nicht fassen konnte,
was sich dort auf seinem kleinen Bildschirm gerade abspielte.
„Das wohl daran liegen, das ich Yoda sein!“ beantwortete der alte Jedi Tims Frage geduldig.
Yoda‘s Kopf füllte inzwischen den ganzen Bildschirm
aus, während Tims Hände jetzt leicht zu zittern begannen.
„Wau, es gibt ihn doch, das ist
der Super Cheat und ich habe ihn geknackt!“ rief er
aufgeregt.
Anders konnte sein Verstand das Geschehen
nicht erklären. Soweit er wusste, unterstützte das DS Spiel weder die
Sprachausgabe, noch die Funktion der Spracherkennung. Doch Yoda
schüttelte erneut seinen Kopf und sagte freundlich: „Ich einen Wunsch an dich
habe!“
Tim glaubte seinen Ohren und
Augen nicht zu trauen und fragte verdattert: „Was für einen Wunsch denn?“
„Du musst es erzählen Tim. Dann
hier sein wird zu Ende deine Flucht!“
„Was, Flucht – woher...!“
stammelte Tim, der langsam glaubte, das er seinen Verstand verlor.
„Nur wenn du dir jetzt selbst
helfen kannst, dann du mir auch helfen können!“ erklang Yoda‘s
Stimme in seiner eigentümlichen Ausdrucksweise aus den beiden DS Lautsprechern.
„Ich verstehe das alles nicht.
Wobei soll ich dir denn helfen können?“
„Das du dann noch erfahren wirst.
Doch jetzt mein junger Tim, du aufstehen und dann du schellen wirst bei Timo!“
„Aber...“ begann Tim, doch Yoda unterbrach ihn und sagte in einem Tonfall der keinen
Wiederspruch zu dulden schien: „Kein aber, du wirst es tun. Jetzt sofort!“
Benommen starrte Tim auf die
beiden Bildschirme, die jetzt einfach erloschen waren.
Er klappte den DS zu und erhob
sich schwerfällig und ging langsam zu der Haustüre. Er suchte die
Klingelschilder ab und fand dann eines, auf dem zwei Namen standen: Moritz Ogel u. Timo Drescher. Wie in Trance drückte Tim den
Klingelknopf und nur kurze Zeit später knackte es in der Gegensprechanlage.
Eine Männerstimme fragte: „Ja, wer da?“
„Tim hier, ich will zu Timo!“
Das Türschloss summte und als
Tim damit begann die Treppen hinauf zu steigen, spürte er, das
ihm langsam seine Kräfte verließen. Mit letzter Kraft erreichte er die
Wohnungstür, wo Timo, der noch seinen Schlafanzug trug, bereits seinen Freund
erwartete.
„Was zum Teufel ist denn mit dir
passiert?“ rief Timo entsetzt, als er in das bleiche Gesicht von Tim schaute.
Dieser hob langsam seine Arme
und stöhnte: „Yoda, es...“
Weiter kam er nicht mehr, denn
Tim sackte besinnungslos in sich zusammen.
Timo konnte ihn gerade noch so
auffangen, während er entsetzt und geschockt nach Moritz rief. Dieser war auch
zugleich zur Stelle und trug den schlaffen Körper des Jungen schnell in das
Wohnzimmer, wo er ihn behutsam auf das Sofa legte.
„Was, was ist mit dem los!“
stammelte Timo geschockt.
„Ich weiß es nicht. Warte, da
ich glaube er kommt schon wieder zu sich!“ sagte Moritz. Behutsam klopfte er
auf die Wangen von Tim, der jetzt blinzelnd seine grünen Augen öffnete. Kaum
hörbar krächzte er leise: „Yoda, wo ist...“
„Du möchtest Yoda
haben?“ unterbrach ihn Timo eifrig. „Warte ich hole ihn dir!“ Sofort stürzte
Timo aus dem Raum und rannte in sein Zimmer um die Yoda
Figur zu holen.
Während dessen sagte Moritz
beruhigend zu Tim, der sich jetzt langsam aufrichtete: „Zieh erst mal deine
Jacke aus. Ich bin übrigens Herr Ogel, aber du kannst
mich ruhig Moritz nennen wenn du möchtest.
Langsam zog Tim seine Jacke aus
und verzog dabei schmerzhaft sein Gesicht, in dem jetzt wieder etwas Farbe
zurück kehrte.
Timo, der inzwischen mit der
Legofigur in das Wohnzimmer zurück gekehrt war, fragte besorgt: „Was ist los,
hattest du einen Unfall oder...“
Fassungslos unterbrach er sich
selbst, als er die beiden Arme seines Freundes erblickte, die aus einem blauen
T-Shirt heraus schauten. Sie waren überseht mit zahlreichen großen Blutergüssen
und unzähligen blauen Flecken.
Tim schüttelte traurig seinen
Kopf und sagte: „Nein, kein Unfall. Kann ich deinen Lego Yoda
mal haben?“
Timo gab sie ihm.
„Was war es dann?“ fragte Moritz
vorsichtig.
Tim hielt die Yoda Figur ganz dicht vor sein Gesicht und sagte dann
leise: „Er hat mir gesagt, das ich es erzählen soll!“
„Was denn erzählen? Du meinst,
diese Legofigur in deiner Hand hat mit dir gesprochen?“ fragte Moritz etwas
gedehnt und kratzte sich dabei nachdenklich an seinem fast kahlen Kopf.
Tim nickte nur.
„Ich schlage vor, das wir in die
Küche gehen und uns erst einmal ein leckeres Frühstück machen und dann Tim,
kannst du uns erzählen, wie du zu diesen schlimmen Verletzungen an deinen Armen
gekommen bist. Ist das OK für dich?“
Der Junge nickte dankbar.
Keine zwanzig Minuten später
saßen alle um den Küchentisch herum und als Tim seinen dritten, mit Nuttella geschmierten Toast
verdrückt hatte, fragte er zu Moritz gewandt: „Wenn ich das jetzt erzähle, das
mit meiner Tante und so, muss ich dann in ein Heim?“
Moritz trank einen Schluck Kaffe
und sagte dann: „Wenn es deine Tante war, die dich so zugerichtet hat, dann
kann ich dir nur versichern, das du auf keinen Fall mehr zu ihr zurück musst!“
Ein leichtes grinsen huschte
über das schmale Gesicht von Tim, als er auf die Yoda
Figur zeigte, die jetzt auf der Kaba Dose stand: „Er hat recht, meine Flucht
ist schon vorbei. Und ich habe mich schon darauf eingestellt, nachts in
irgendwelchen Scheunen zu schlafen und...“
„Warte, - Erzähle uns, was
gestern passiert ist! Bist du doch zu spät nach Hause gekommen?“ unterbrach ihn
Timo etwas ungeduldig.
Tim nahm jetzt die Yoda Figur in seine Hände und begann dann leise zu
erzählen.
„Nein, ich war Pünktlich. Ich
war sogar noch fünf Minuten zu früh, doch als ich unsere Haustür öffnete, da
habe ich es schon gerochen und, und...“ Tim brach ab und schluckte kurz, bevor
er stammelnd und mit weinerlicher Stimme weiter sprach.
„Meine Tante..., sie war
betrunken und hat mit Mr. Kochlöffel auf mich gewartet. - Sie, sie stand hinter
der Tür und dann, dann hat sie sich auf mich gestürzt und geschrien, das ich
böse sei und ich mich, mich bei ihr entschuldigen müsse...“
Tim, der bis jetzt seinen Kopf
gesenkt hatte und dabei auf Yoda in seinen Händen
schaute, verlor jetzt gänzlich die Fassung. Er blickte auf und heulte dann
hemmungslos los, wobei er schrie: „Ich, ich wusste nicht was meine Tante wollte
und als ich es von ihr wissen wollte, da, da hat sie zugeschlagen..., immer und
immer wieder... Mit meinen Armen habe ich versucht mich zu schützen... Sie, sie
schrie: < Du böser undankbarer Junge, Mr. Kochlöffel wird es aus dir raus
prügeln müssen! > ...“
Fassungslos sah Timo auf seinen
heulenden Freund und Moritz sagte vorsichtig, während er tröstend seinen Arm
auf Tims Schulter legte: „Ich glaube, es reicht. Du musst nicht weiter Reden,
wenn du...“
Völlig unerwartet sprang Tim vom
Tisch auf und stieß dabei seine Kaba Tasse um, so das
diese vom Tisch herunter viel und klirrend auf dem Küchenboden zerschellte.
„Mir reicht es noch lange
nicht!“ kreischte Tim wie von Sinnen. „Sie, sie ist eine Hexe, eine... einmal
wollte sie mich ertränken, in der Wanne... weil, we...“
Erneut brach er ab und lies sich dann langsam auf den Küchenboden nieder und
schluchzte leise vor sich hin.
Timo setzte sich jetzt neben Tim
auf den Boden, der sich jetzt scheinbar etwas beruhigte. Seine Tränen
versiegten langsam und dann verlangte er schniefend nach einem Taschentuch.
Moritz reichte ihn ein Päckchen
Tempo Taschentücher und beseitigte dann die Scherben auf dem Küchenboden.
Schließlich fragte Moritz: „Du
lebst also bei deiner Tante. Warum? Was ist mit deinen Eltern?“
Tim schnäuzte sich und sagte
traurig: „Meine Mama ist bei meiner Geburt gestorben und meinen Vater kenne ich
nicht. Ich, ich...“ Erneut liefen Tränen aus seinen geröteten Augen. Dann stand
er langsam auf und fragte fast flehend: „Du wirst mir doch helfen, oder? Yoda sagte, das ich Hilfe bekommen werde, wenn ich alles
erzähle!“
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Kapitel 1: Der Flohmarkt – Kapitel 2: Timos Zimmer – Kapitel 3: Yoda`s Wunsch – Kapitel 4: Kevins Geschichte
– Kapitel 5: Hinter den Mauern
– Kapitel 6: Albträume
– Kapitel 7: Die andere Seite
© by Moritz W. Haus 2009/2013
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