Das Geheimnis der Lego Türen

Online Roman für Kinder ab 11 Jahre

 

Von Moritz W. Haus (©2009/2010)

 

Kapitel 1

Der Flohmarkt

 

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Langsam schlenderte Timo durch die eng gestellten Tische des Flohmarkts, der extra nur für Kinder organisiert worden war. Hier konnten sie ihre alten Spielsachen los werden oder sich anders gebrauchtes Spielzeug kaufen.

Timo hatte diesen Tag schon lange sehnsüchtig entgegen gefiebert.

Er hatte extra für diesen Tag gespart um sich gebrauchte Legosteine kaufen zu können. Nun hoffte er, auch etwas brauchbares finden zu können.

Der Junge befand sich bereits auf seiner zweiten Runde durch die Stadthalle, in der die Verkaufstische aufgestellt worden waren. An zwei Ständen hatte er auch schon einiges von Lego entdecken können.

Da gab es zum einem eine ganze Kiste voll mit Legosteinen, die aber alles andere als in einem guten Zustand waren.

Mit geübtem Blick und ein wenig kramen hatte er schnell erkannt, das der Inhalt der Kiste nicht seinen Ansprüchen entsprach. Viele Steine waren zerbrochen, bemalt oder mit Kaugummi verklebt. Zudem waren noch Dinge in der Kiste, die nichts mit Lego zu tun hatten.

Da waren alte Filzstiftkappen, Bleistiftanspitzer Mist und weiterer Unrat, der nach Timos Meinung nichts in einer Legokiste zu suchen hatte.

An einem anderen Stand standen mehrere aufgebaute Lego Modelle. Eine Polizeiwache, eine Feuerwehrwache und ein Lego Star Wars Raumschiff. Bei letzterem handelte es sich um das „Rogue Shadow“ Model, das er noch nicht in seiner Sammlung hatte. Deshalb steuerte er jetzt zielstrebig auf diesen Stand zu, um sich dort nach dem Preis des Raumschiffes zu erkundigen.

Hinter dem Tisch saß eine ziemlich dicke Frau, zusammen mit einem Jungen, der gelangweilt mit seinem Nintendo DS spielte.

Neugierig streckte Timo seine Hände nach dem Raumschiff aus, doch die Frau, die einen ziemlich ungepflegten Eindruck auf ihn machte, fauchte drohend: „Hey du da, nicht anfassen, nur anschauen!“

Timo war verärgert, ignorierte die unfreundliche Frau aber und fragte stattdessen den Jungen mit dem DS: „Sag mal, was soll denn das Star Wars Teil hier kosten?“

„Verdammter misst! Jetzt hast du mein Level kaputt gemacht!“ motzte der Junge aufgebracht.

„Willst du dein Spielzeug verkaufen oder DS spielen?“ versuchte Timo freundlich zu sein, obwohl ihm gar nicht mehr danach zu Mute war.

„Also 20 Mäuse solltest du schon bezahlen!“ sagte der fremde Junge, der seinen DS jetzt zu klappte.

Die Frau, die einen unangenehmen Geruch nach Schweiß und Alkohol verströmte, erhob sich schnaubend und plärrte: „Man Tim, das hatten wir doch alles genau besprochen! Das Star Wars Legoding sollst du für 40 € verkaufen und keinen Cent billiger!“

„Aber das ist mein Spielzeug und du hast mir gar nichts zu sagen. Du bist nämlich nicht meine Mutter!“

„Aber deine Tante! Sei froh, dass du mich überhaupt hast du undankbarer Bengel“ brauste die Frau zornig auf.

Inzwischen hatten sich weitere Interessenten an dem Stand eingefunden und ein Mann mischte sich jetzt ein und sagte: „Ihr Neffe hat recht, es ist sein Spielzeug!“

Timo sah, das Tim inzwischen einen roten Kopf bekommen hatte und verlegen zu Boden starrte.

Tims Tante entgegnete dem Mann ziemlich unfreundlich: „Was mischen sie sich überhaupt in meine Erziehungsmethoden ein! - Wissen sie eigentlich, was alleine der Kleber gekostet hat, um all diese kleinen Legoteile von diesem Modell hier zusammen zu kleben?“ Dabei deutete sie auf das überwiegend aus schwarzen Bauteilen bestehende Lego Model.

Timo glaubte sich verhört zu haben und fragte Tim entsetzt: „Wie Bitte? Du hast das Lego Star Wars Modell mit Kleber zusammen geklebt?“

Tim, der 11 Jahre alt sein mochte, explodierte förmlich und schrie mit Tränen in den Augen: „Meine dämliche Tante war es. Sie hat es zusammen geklebt und nicht ich!“

Hastig ergriff er seinen Nintendo DS und rannte weinend davon.

Der Mann zeigte Tims Tante ganz unverhohlen einen Vogel und Timo wandte sich fassungslos von dem Stand ab und schüttelte mehrmals ungläubig seinen Kopf.

Wie konnte ein Mensch nur auf die Idee kommen, Legosteine mit einem Kleber zusammen zu kleben?

Damit hatte die Tante von Tim eindeutig ein ungeschriebenes Gesetz gebrochen. Es lautete: > Klebe niemals Legosteine mit einem Kleber zusammen! <

Jetzt drehte sich Timo noch einmal zu dem Stand um und schrie aufgebracht: „Was sind sie nur für eine blöde Tante! Tim tut mir wirklich leid und ich hoffe, das sie so etwas niemals wieder tun werden!“

„Verzieh dich besser du Bengel. Ich kenne dich doch! Du bist doch der Pflegebalg von diesen komischen Glatzkopf, richtig?“

„Und weiter, soll ich jetzt etwa schieß haben vor ihnen, Sie dumme Kuh?“

„Wie hast du mich gerade genannt, du Rotzlöffel?“ schrie die Frau jetzt ungläubig und zornig zugleich. Sie hob dabei schnaufend ihre Fleischgen Arme und griff damit unverhofft über den Tisch nach Timo.

Doch dieser war schneller und trat rasch einen Schritt zurück, so das die Frau ins leere griff, dabei ihr Gleichgewicht verlor und dann krachend mit ihren dicken Oberkörper auf ihren Verkaufsstand plumpste. Knirschend verschwand das Streitobjekt unter ihren fetten Bauch.

Einige der umstehenden Leute lachten schadenfreudig über das Geschehen und Timo spürte, das die Menschen um ihn herum wohl auf seiner Seite standen. Offenbar war diese Frau nicht gerade sehr beliebt hier im Ort.

Sein Zorn verringerte sich etwas und deshalb beschloss er, weiter über den Flohmarkt zu streifen. Irgendwo würde er schon noch etwas Schönes finden.

Doch scheinbar hatte die Frau noch nicht genug. Schwerfällig rappelte sie sich wieder auf und zeterte: „Du ungehobelter Balg! Weißt du, ich bin nämlich Erzieherin und kenne Leute beim Jugendamt und denen werde ich erzählen, das du besser in eine geschossene Einrichtung gehörst, als zu deinen bescheuerten Pflegevater!“

 

Timos Gesicht lief dunkelrot an vor Zorn und gerade wollte er sich wütend auf die Frau stürzen, als ihn jemand von hinten sanft an die Schultern fasste und sagte: „Warte, das ist keine so gute Idee! Bist du nicht hier um Lego zu kaufen?“

Der Junge fuhr herum und sah dann in das freundliche Gesicht eines alten Mannes, der fragend auf ihn herunter schaute.

„Lego? Wa, wa, was für Lego?“ stotterte Timo, in dessen blasblauen Augen Tränen der Wut schimmerten.

Er fing immer zu stottern an, wenn ihm etwas aufregte. Doch der alte Mann legte erneut seine Hand auf die Schulter des Jungen und sagte: „Ich bin im Auftrag meines Enkels hier um sein altes Legospielzeug zu verkaufen!“

Der alte Mann, der schneeweises, halblanges Haar trug, stieß einen langen Seufzer aus und sagte dann: „Weißt du, dort wo er jetzt ist braucht mein Enkel keine Legosteine mehr.“

„Warum nicht?“ wollte Timo wissen doch der Mann ging nicht auf seine Frage ein, sondern sagte statt dessen: „Na komm schon mit. Ich zeige dir meinen Stand. Er ist gleich dort an der Ecke!“

Der Alte wandte sich zum gehen und Timo folgte ihm mit gemischten Gefühlen.

Er hörte, wie hinter ihnen die Frau erneut los schimpfte, doch bekam er ihre Worte nicht mehr mit.

Zu sehr hatte ihn der alte Mann, der sich jetzt zielsicher seinen Weg durch das Gedränge bahnte, in seinen Bann gezogen. Schließlich hielt der Alte an und sagte: „So, hier ist mein Stand.“ Dabei zeigte er zu seinem Tisch, auf dem zwei riesige Kartons standen. Beide waren noch mit Klebeband verschlossen.

Zwischen den beiden Kisten lag ein blaues Tuch, das irgendetwas kleines verdeckte. Inzwischen war der Mann hinter seinem Tisch getreten und Timo fragte neugierig: „Was ist dort unter diesem Tuch versteckt?“

Der Alte räusperte sich und stützte dann seine Ellenbogen auf die beiden noch verschlossenen Kisten, in denen sich zweifellos Legosteine befinden mussten und sagte dann bedächtig: „Finde es heraus Timo!“

Der Junge stutzte und fragte etwas argwöhnisch: „Sie kennen meinen Namen? – Ich habe mich doch gar nicht bei ihnen vorgestellt!“

Der Alte gab ihm darauf keine Antwort, sondern deutete aufmunternd auf das blaue Tuch.

Zögernd griff der Junge danach und zog es dann hastig weg.

Was er sah, verschlug ihm doch glatt die Sprache. Vor ihm stand ein kleines, durchsichtiges Plexiglas Behältnis, in dem zwei unscheinbare graue Legotüren, ähnlich wie Schmuckstücke, in einer aus Samt bestehenden Fassung ruhten.

Aber das war es nicht, was ihm die Sprache gänzlich verschlug. Es war die Legofigur, die genau zwischen den beiden Türen lag. Auch sie ruhte passgenau in dem schwarzen Samt ausgelegten Kästchen.

Der alte Mann ließ den Jungen etwas Zeit, bevor er freundlich fragte: „Na, was sagst du jetzt. Diese Yoda Figur hast du doch noch nicht, oder täusche ich mich da?“

Timo schüttelte aufgeregt seinen Kopf, so das seine langen blonden Haare herum wirbelten. Seine Gedanken schlugen Purzelbäume, denn wieder hatte der Alte etwas gesagt, was dieser eigentlich nicht hätte wissen können. Woher konnte er wissen, das er diese seltene Lego Star Wars Figur noch nicht besaß?

Rasch schob er seine Gedanken beiseite und nahm vorsichtig den kleinen Behälter in die Hand und starrte Minutenlang auf den kostbaren Inhalt. Endlich flüsterte er leise: „Diese Figur sieht so was von echt aus! Das ist doch keine normale Legofigur oder?“

Der Alte beugte sich jetzt zu Timo hinüber und flüsterte ebenfalls: „Weißt du mein Junge, du glaubst gar nicht wie recht du hast. Ich schwöre dir bei allem was mir Heilig ist, das diese Figur noch echter ist als echt. Es ist ein Unikat, ein Einzelstück. - Dieser Yoda und die beiden Legotüren gehören zusammen und dürfen niemals getrennt weiter gegeben werden! Es ist ein wahrer Schatz von einem unglaublichen Wert, verstehst du das?“

Timo Atmete tief aus und stellte dann den Behälter auf den Verkaufstisch zurück.

„Was ist los? Möchtest du diesen Schatz nicht kaufen?“

Enttäuscht und mit trauriger Stimme seufzte Timo: „Das werde ich nicht bezahlen können, so viel Geld habe ich nicht!“

„Du weißt doch noch gar nicht, was ich für all das hier haben möchte!“ sagte der alte Mann geheimnisvoll und lächelte dabei freundlich.

„All das? Etwa auch das Lego, das sich noch in den Kisten befindet?“ fragte der Junge überrascht und machte dabei ein enttäuschtes Gesicht.

Soviel Geld besaß er erst recht nicht. Wollte ihn der Alte etwa veräppeln? Er wusste es nicht und sagte jetzt mit bebender Stimme, wobei er versuchte höfflich zu sein: „Es war nett sie kennen zu lernen, aber ich hatte heute schon genug Ärger! Wenn sie sich also über mich lustig machen wollen, dann...“

„Nein, so etwas käme mir niemals in den Sinn, ehrlich!“ unterbrach ihn der alte Mann und machte dabei ein nachdenkliches Gesicht. Dann sagte er: „Pass auf mein Junge, hier kommt der Deal. Du gibst mir alles Geld was du dabei hast und das ganze Lego gehört dir! Na, wie hört sich mein Angebot für dich an?“

„Was?“ war alles was Timo darauf antworten konnte. Dieses Angebot war nicht nur ungewöhnlich, sondern einfach total irre.

„Alles Geld aus deiner Tasche gegen alles Lego auf diesem Tisch!“ wiederholte der Mann sein Angebot ernst.

„Aber das ist sicher alles viel mehr wert, als ich habe!“ sagte Timo unsicher.

„Wie viel Geld hast du denn?“ erkundigte sich der alte Mann interessiert, während er wieder um den Tisch herum kam und sich mit verschränkten Armen vor Timo aufbaute.

Der Junge griff in seine Hosentasche und holte sein verschlissenes Portmonee heraus. Langsam zählte er sein ganzes erspartes Geld auf dem Tisch. Es waren genau 26, 47 €.

Timo sah fragend zu dem Mann auf, darauf gefasst, das dieser ihn jetzt auslachte. Doch zu seiner Überraschung reichte der Alte ihn seine faltige Hand und sagte: „OK, damit haben wir beide ein gutes Geschäft gemacht. Ja, ein sehr gutes Geschäft sogar. Ich wusste, du würdest mich nicht enttäuschen! Die Kartons mit ihren Inhalt gehören jetzt dir!“

Der Junge nahm schnell den kleinen Behälter mit der Figur und den Lego Türen an sich und steckte sie sich in die Jackentasche. Dann hob er einer der beiden Kartons an und erkannte sofort, das er ein Problem hatte. Der Karton war nämlich unglaublich schwer, zu schwer für so einen schmächtigen Jungen, wie er es war.

Er versuchte es mit dem anderen Karton, aber auch diesen konnte er nur kurz anheben. „Da muss ja unglaublich viel Lego drinnen sein!“ sagte er und drehte sich dabei ratlos zu dem alten Mann um, den er immer noch hinter sich wähnte. Doch dieser war jetzt spurlos verschwunden.

Timo schaute schnell die beiden Gänge herunter, doch nirgends konnte er in dem Gedränge das weiße Haar des alten Mannes entdecken. Wieso war er so schnell verschwunden und vor allen, wohin?

Diese und andere Fragen schossen dem Jungen jetzt durch seinen Kopf. Dabei wurde es ihm etwas schwindelig und deshalb setzte er sich rasch zwischen seinen beiden Legokartons auf den Verkaufstisch und schloss seine Augen.

 

Er wusste nicht wie lange er so dort gesessen hatte, als plötzlich eine Stimme ihn aufschauen lies.

„Hallo, du da! Schläfst du etwa?“

Timo schaute benommen auf und sah in das fragende Gesicht von Tim. Dieser hatte noch gerötete Augen und schaute jetzt verlegen zu Boden. Dann sagte er: „Ich wollte mich nur noch bei dir Entschuldigen. Es tut mir leid, das vorhin mit meiner Tante und...“

Timo unterbrach ihn ungläubig: „Ach komm, hör doch auf. Deine Tante ist es, die sich besser entschuldigen sollte, nicht du!“

Timo rutschte jetzt vom Tisch herunter und sagte dann: „Ich bin übrigens der Timo. Deinen Namen kenne ich ja schon!“

„Was machst du hier? Ist das dein Stand?“ fragte Tim neugierig.

„Nun ja, das nicht gerade. Aber diese beiden großen Kartons gehören mir. Ich habe sie gekauft und jetzt weiß ich nicht, wie ich sie nachhause schaffen soll. Sie sind mir einfach zu schwer!“

Tim trat jetzt an den Tisch und versuchte einen der Kartons an zu heben und sagte dann: „Wau, was zum Teufel ist denn da drin?“

„Ich hoffe mal Legosteine!“

„Wie du hoffst. Soll das etwa heißen, das du nicht weißt, was sich in diesen Kisten befindet?“ fragte Tim fassungslos.

„So ist es. Aber egal, was es ist. Es muss zu mir nach Hause gebracht werden! Mein Pflegevater ist leider nicht daheim, sonst hätte ich ihn angerufen und ihn gebeten, mich hier mit dem Auto abzuholen“

„OK, kein Problem. Ich habe einen Hänger draußen vor der Stadthalle und...“

„Hänger was?“ unterbrach ihm Timo, der sich etwas über Tim wunderte. Denn normalerweise wurde er gleich mit Fragen bombardiert, wenn er jemanden erzählte, das er einen Pflegevater hatte.

Aber Tim ging gar nicht darauf ein sondern erklärte jetzt: „Na ich habe einen Fahrradanhänger! Wir heben gemeinsam die beiden Kartons auf den Boden und schieben sie dann einfach aus der Halle hinaus. Dann laden wir sie auf meinen Anhänger und befördern sie so zu dir nach Hause!“

 

Tim grinste ihn breit an und Timo wusste in diesem Augenblick, das er hier einen neuen Freund gefunden hatte. Noch konnte er nicht ahnen, wie wichtig diese Freundschaft für beide noch werden sollte...

 

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Kapitel 1: Der FlohmarktKapitel 2: Timos Zimmer  Kapitel 3: Yoda`s Wunsch Kapitel 4: Kevins Geschichte Kapitel 5: Hinter den MauernKapitel 6: Albträume

 

© by Moritz W. Haus 2009/2010

 

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