Ein schöner Abend

Von Tim, 12 Jahre

 

Leise schlich er sich an. Ganz sachte einen Schritt nach dem anderen. Leise konnte man die Grillen hören die wie jeden Abend ihr Lied angestimmt hatten. Es war heiß, er schwitzte. Die Sonne stand als roter, feuernder Ball am Horizont. Bald würde sie untergehen. Das Gras war dürr, kurze, drahtartige Stängel ragten aus dem Boden. Aber er beachtete sie nicht, sein Blick galt einzig und alleine der jungen Gazelle, die unter einem Baum das letzte grüne Gras abzupfte und sich immer wieder, ängstlich umsah. Er hatte seit langer Zeit nichts mehr gegessen und diese Gazelle erschien ihm so wunderbar. Er musste sie haben. Die Hitze machte ihm zu schaffen, sein Atem ging Kesseln und immer wieder musste er eine Rast einlegen.

Er war alt. Sehr alt. Langsam schlich er weiter, das Gras raschelte leise bei jedem Schritt doch die Gazelle fraß friedlich weiter. Bald würde er nahe genug sein, um sie zu haben. Am Himmel waren blitze zu erkennen. Doch es donnerte nicht. Wetterleuchten. In der Ferne kreisten Aasfresser über einem Tierkadaver. Immer und immer wieder. Es stank. Auch auf den Bäumen saßen sie, als wüssten sie, das auch sie bald etwas zu fressen bekommen würden. Große schwarze hässliche Vögel. Wie der Tod. Aber das alles beachtete er nicht, er dachte nur an die Gazelle, ihr herrliches Fleisch. Er hatte Hunger. Doch plötzlich, ein krächzten, einer der Vögel hatte ihn entdeckt und flatterte davon. Die Gazelle schreckte auf, schaute sich ängstlich um.

Er stand da, und rührte sich nicht. Doch sie hatte ihn entdeckt. Mit großen Sprüngen rannte sie davon. Er machte sich nicht die Mühe, ihr zu folgen, denn sein Körper war alt, er hätte sie nicht erwischt. Nun stand er da, hungrig und traurig. Er wusste, das war seine letzte Chance gewesen. Er hatte nicht mehr die Kraft, ein Tier zu jagen. Langsam legte er sich hinter den großen Stein, der von der Sonne gewärmt worden war. Auch er war alt, älter als er. Der Boden war vertrocknet und hart, doch ihm schien er wunderbar sanft und weich, er war müde. Er wusste, nun ist seine Zeit gekommen. Langsam fing er an, sich ein letztes mal zu säubern. Sein Fell war zerzaust und fehlte an manchen Stellen. Auch seine Ohren waren zerfetzt. Von den vielen Kämpfen, die er gewonnen, oder auch verloren hatte. Die Sonne war untergegangen und der Himmel war wunderschön. Er legte seinen Kopf auf die großen Pranken und schlief auch bald darauf ein. Ein schöner Abend zum Sterben. Ein Vogel kreischte, und flatterte über seinem sterbenden Körper davon. Dann war es still, nur die Grillen zirpten ihr Lied, und das Gras raschelte leise im Wind...

 

© by Tim 2002

 

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