Tommi und die Clans

Von Vanessa, 13 Jahre

 

 

  „Futter, Tommi“, rief eine vertraute Stimme. Tommi, ein kleiner schwarzer Kater mit einem „Mond“ um ein Auge, machte verschlafen die Augen auf. Ein Zweibeiner füllte Futter in seinen Napf. Der kleine Kater sah das trockene, krümelige Futter an und dachte: Bäh, darauf habe ich keinen Hunger. Das war ihm viel zu bröckelig. Trotzdem nahm er ein paar Bissen und leckte kurz im ekelhaften Wasser herum, das seine Besitzer seit zwei Tagen nicht erneuert hatten. Tommi stand auf und trottete durch die Katzenklappe nach draußen. Das Gras kribbelte angenehm an seinen Pfoten und die Sonne wärmte seinen Pelz. Langsam durchstreifte er den Garten und sprang auf den Zaun, seinen Lieblingsplatz. Von dort aus konnte er den Wald sehen und träumen, er wäre eine echte Wildkatze. Manchmal konnte Tommi so etwas wie das Miauen und Fauchen von Katzen hören und Tier rufe. Zwar nur ganz leise, aber sie waren da. Dabei stellte er sich vor, wie die Katzen gegeneinander kämpften, jede gegen jeden. Das Leben da draußen war abenteuerlustig, und das war Tommi auch, aber er wusste nicht, ob er dort mithalten könnte.

Auch dieses Mal ließ er seinen Blick schweifen. Ein unbekannter Geruch stieg ihm in die Nase und er sprang vom Zaun. Vorsichtig tapste er in Richtung Wald, der an seine Heimat grenzte. Ein lautes Rascheln ließ Tommi herumfahren, doch es war nur ein Vogel gewesen. Plötzlich sprang ihn etwas an und grub seine Krallen in Tommis Rücken. Tommi buckelte und versuchte, das Etwas abzuschütteln, doch das ging einfach nicht. Er schlug mit seinen Pfoten um sich und versuchte, Fell greifen zu können, um es zu zerreißen. Doch auch das funktionierte nicht. Dann rollte er sich auf den Rücken und das andere Tier lag nun unten. Es hielt sich noch immer krampfhaft an ihm fest. Tommi machte sich ganz schlaff und tat so, als hätte sein Gegner ihn besiegt. Das war seine letzte Chance. Tatsächlich war der Griff nun nicht mehr so fest und Tommi konnte sich herum rollen, um seinen Angreifer zu Boden zu stemmen. Erschrocken hörte er ein ängstliches Miauen und machte seine Augen auf, die er bislang zugekniffen hatte. Unter ihm lag ein weißer Kater mit langen schwarzen Beinen und hatte die Augen weit aufgerissen. Tommi ließ von ihm ab und sprang ein bisschen zur Seite, damit sich der Kater aufrappeln konnte. „Danke, dass Du mich nicht noch mehr zerkratzt hast“, miaute er. Tommi starrte den fremden Kater weiterhin an und roch den Geruch wieder. Eine Mischung aus Gras und Baumrinde mit einer bitter-süßlichen Spur. „Mein Name ist übrigens Gleittatze“, bemerkte sein Gegenüber. „Und wie ist Deiner?“

Tommi flüsterte: „Ich bin Tommi. Ähm, dein Name ist ein bisschen seltsam.“ Gleittatze sah ihn zuerst verwirrt an, dann fing er an zu schnurren. „Das kommt, weil Du ein Hauskätzchen bist“, miaute er gespielt abschätzig. Tommi zuckte mit den Ohren, dann erwiderte er: “Du bist kein Hauskätzchen?“

Gleittatze schüttelte den Kopf. „Ich bin eine Wildkatze!“ Tommi wich ein paar Schritte zurück, woraufhin der Kater antwortete: „Aber nicht gefährlich, denn ich bin noch ein Schüler.“  

Tommi blieb stehen und schaute Gleittatze nachdenklich an. „Ist das also nicht „Jeder gegen Jeden?“ Der weiße Schüler schüttelte den Kopf. „Nein, wir leben in Clans, mit Anführern und Heilern und so weiter.“, erzählte er. „Gleittatze ist nur mein Schülername. Wenn ich Krieger bin, heiße ich Gleitkralle oder Gleitfell.“ Dabei strich er sich, fast angeberisch, übers Fell. „Cool! Du, Gleittatze, könntest Du mir noch mehr vom Clan-Leben erzählen? Wie viele Clans gibt es? Wie groß sind die? Wie viel Macht haben die Anführer? Wie heißt Deiner?“

„Ich erzähle Dir gerne mehr. Also, es gibt vier Clans, den Blitz-Clan, den Stein-Clan, den Wasser-Clan und den Sonnen-Clan. Da lebe ich und die Anführerin...“

 „...Bin ich!“ Eine große, schlanke Kätzin trat aus einem Gebüsch hervor, gefolgt von einer weißen. Ihr Fell war schwarz und sie hatte silbrige Spitzen an den Ohren und am Schwanz. „Blauglanz! Schneeflocke!“, rief Gleittatze aus.

„Ja, ganz recht“, miaute Schneeflocke streng. „Ich hatte dir verboten...“ Blauglanz sah sie mit einem warnenden Blick an und Gleittatze seufzte erleichtert. „Wir haben euch beobachtet. Du bist mutig, Tommi.“, meinte die Anführerin mit weicher Stimme.

Tommi schaute verlegen auf seine Pfoten und murmelte leise: „Danke, ...äh, Blauglanz.“ Diese nickte nur und tauschte einen schnellen Blick mit Schneeflocke. Keine der vier Katzen sagte mehr etwas und das fand Tommi sehr peinlich. Er wünschte sich, er könnte sich einfach umdrehen und gehen, oder die Augen aufmachen und feststellen, dass alles nur ein Traum gewesen war. Aber er konnte hier nicht weg. Es war auch kein Traum. Etwas hielt ihn an Ort und Stelle, etwas, das er nicht bezwingen konnte. Obwohl die Situation ihn ängstlich machte. Endlich ergriff Blauglanz das Wort. „Möchtest du zu uns, in den Clan, kommen?“ Sie zögerte, bevor sie weitersprach. „Du könntest ein guter Krieger werden.“ Tommi blieb die Luft weg, als er das hörte. Er sollte in den Sonnen-Clan, er, ein Hauskätzchen? Auch Gleittatze schien sprachlos, denn er schaute zwischen Tommi und Blauglanz hin und her. „Du musst nicht. Das könnten wir verstehen, du bist ja halt nur ein Hauskätzchen“, fügte Schneeflocke hinzu, wobei sie das „nur“ betonte.

Blauglanz achtete nicht auf sie, wobei Tommi sie liebend gern in Fetzen gerissen hätte. Das war eine richtige Gemeinheit! Aber er musste sich eingestehen, dass er nicht im Wald geboren war und deshalb keine richtige Clan-Katze werden konnte. Gleittatze bemerkte seine Zweifel und eilte zu ihm hinüber. „Denk doch mal nach, du Mäusehirn“, flüsterte er ihm zu. „Du wirst erst ein Schüler, so wie ich. Und ich bin erst seit zwei Monden einer.“ Dann entfernte er sich wieder. Gleittatze hat recht, dachte Tommi, ich würde erst ein Schüler sein. „Ich möchte es mir noch einmal überlegen. Wenn das okay ist“, miaute er.

Schneeflocke wollte protestieren, doch Blauglanz nickte und lächelte. „Ein vielleicht ist besser als ein nein.“ Mit diesen Worten sprang sie zurück ins Gebüsch und die beiden anderen folgten ihr. Gleittatze winkte noch einmal mit dem Schwanz, dann verschwand er im Busch. Tommi blieb noch kurz stehen und lauschte den Vögeln, bevor er langsam zurück zu seinem Zaun ging...

 

 

 

ENDE

 

 

© by Vanessa, 06.07.2017

 

 

 

 

 

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